Wettbewerbstheoretische Ansätze bei Coase

 

 

Yeong-Soo Park*

 

 

I. Einführung

 

Mit der Verleihung von Nobelpreises für Wirtschaftswissenschaften an Ronald Coase wird ein Pionier und Querdenker geehrt, einer, der aus alten Bahnen ausgebrochen ist, der Neues angedacht hat, der der Wirtschaftswissenschaft eine neue Wendung angegeben hat, der einen neuen methodischen Ansatz entwickelt hat, ohne selbst auf allen Feldern die Schlußfolgerungen daraus zu ziehen. Zwei Aufsätze, "The Nature of the Firm"1), und "The Prpblem of Social Cost"2), geschrieben im Abstand von fast 25Jahren, nämlich 1937 und 1960, enthalten die Kernaussagen seines wissenschaftlichen Schaffens.3) Auf diesen Kernaussagen basiert heute die sog. Neue Institutionenökonomik(New Institutional Economics) und eine wichtige Teildisziplin dieses neuen Ansatzes, die Transaktionskostenökonomik.4) Institutionen - wie Markt, Unternehmen, Staat, Eigentum, zivilrechtliche Haftung, Vertrag etc. - werden damit zum Untersuchungsgegenstand der Wirtschaftswissenschaft, werden gleichsam Variable, deren Änderungen Konsequenzen für Einsatz der Produktionsfaktoren(Ressourcen) in einer Volkswirtschaft haben. Die Ausgestaltung dieser Institutionen wird damit zum relevanten Faktor bei der Verfassung von Wirtschaftssystemen.5)

 

Daß Institutionen relevant sind, ist für bestimmte Teilgebiete der Wirtschaftswissenschaft - wie die Theorie des internationalen Handels, die Wettbewerbstheorie, die Steuerlehre, die Organisationstheorie - keine Novität. Insbesondere in der Wettbewerbstheorie und -politik steht die Ausgestaltung der institutionellen  Vorgaben, nämlich der rechtlichen Regelungen des Wettbewerbs- und Kartellrechts, schon lange auch im Mittelpunkt ökonomischer Forschung. Wettbewerbstheorie, Wettbewerbspolitik und Wettbewerbs- und Kartellrecht sind heute untrennbar miteinandder verknüpft. Oftmals werden rechtliche Regelungen schlicht als Instrumente betrachtet, die - unabhängig von ihrer Einbettung in die Rechtsordnung - zur Erreichung ökonomisch definierter Zielvorgaben eingesetzt werden können. Recht erscheint als Werkzeug. Die Wettbewerbstheorie hat dann die Zusammenhänge zwischen Marktstruktur, Marktverhalten und Marktergebnis bei je unterschiedlichen rechtlichen Rahmenbedingungen zu klären. Die Wahl der rechtlichen Instrumente ist in dieser Perspektive nichts als eine schlichte Optimierungsaufgabe.

Die Schlußfolgerung aus einer derart - verkürzten - Sichtweise wäre die folgende : Coase wäre für das Forschungsdreieck "Wettbewerbstheorie, Wettbewerbspolitik, Wettbewerbs- und Kartellrecht" irrelevant, da er die Institutionen für die Ökonomie in einem Zeitpunkt neu entdeckt hat, in dem sie längst Untersuchungsgegenstand von Wettbewerbstheorie und Wettbewerbspolitik waren.

Eine solche Zurückhaltung der Wettbewerbstheorie und -politik fände Unterstützung in der Tatsache, dass im Werk von Coase selbst diese beiden Materien nur eine marginale Rolle spielen, wohl schon deshalb, weil für Coase die Wettbewerbstheorie nichts als einen Ausschnitt der Preistheorie darstellt, über dessen legitime Herauslösung aus der Preistheorie sehr wohl gestritten werden kann. Aus diesem Grunde werden wettbewerbspolitische Fragen von ihm auch nur am Rande gestreift. Eigentlich aus seinen knappen Ausführungen eher eine gewisse Skepsis, Antitrusupolitik zu betreiben, ehe gute Analysen über die tatsächlichen Bestimmungsfaktoren der Industriestruktur vorliegen. Er fordert zu positiven Analysen auf, nicht zu wettbewerbspolitischem Handeln. Folgerungen für die Wettbewerbstheorie und das Antitrustrecht haben andere gezogen, die sich auf sein Werk stützen, etwa Richard Posner(Posner 1974: 59 - 73) und Oliver Williamson(Williamson 1990:299ff.; ders., 1974: 1439ff.; ders., 1977: 699ff.) sowie Harold Demsetz (Demsetz 1976: 371ff.). Coase selbst hat zwar etwas darüber gesagt, weshalb es zur Substitutionsprozessen zwischen Markttransaktionen und unternehmensinterner Ressourcenallokation kommt, daraus aber nicht die möglichen Schlussfolgerungen für das Wettbewerbs- und Kartellrecht gezogen(Möschel 1984: 156 - 171). Er hat sich zu ökonomischen Problemen der Regulierung geäussert (Coase 1959: 1 - 40), nicht aber die amerikanische Antitrustgesetzgebung und -politik zum Gegenstand paralleler Untersuchungen gemacht. Es liegt der Schluss nahe, dass eine Auseinandersetzung mit dem neuen Forschungsansatz von Coase auf einem anderen Feld stattfinden sollte, nicht aber auf dem von Wettbewerbstheorie, Wettbewerbspolitik, Wettbewerbs- und Kartellrecht.

Eine solche Coase-Abstinenz könnte zwar geeignet sein, ruhiger und ungestörter auf bekannten Wegen weiterzuschreiten, nachdem in der europäischen Wettbewerbsdiskussion dem Führungsprimat des Chicago-Ansatzes der Pluralismus verschiedener wettbewerbstheoretischer Ansätze entgegengehalten worden ist(Möschel 1992: 61 - 78). Sie liefe aber doch Gefahr, die Chance eines Querdenkens bei einer Analyse der Wirkungsweise des existierenden Wettbewerbs- und Kartellrechts zu verpassen. In welche Richtung ein solches Querdenken zielen würde, soll hier entwickelt werden. Es soll nicht Coase in seiner Extrapolation durch andere Ökonomen untersucht werden, sondern es soll auf der Grundlage der beiden zentralen Aufsätze von 1937 und 1960 gefragt werden, welche Implikationen dieser entwickelte Ansatz für Wettbewerbstheorie, Wettbewerbspolitik und Wettbewerbs- und Kartellrecht hat oder haben kann. Die Diskussion um den Chicago-Ansatz und um den Beitrag anderer Autoren, die das Instrumentarium der Neuen Institutionenökonomik auf Wettbewerbstheorie, Wettbewerbspolitik und Wettbewerbs- und Kartellrecht anwenden, soll hier nicht aufgegriffen werden. Es erscheint deshalb angebracht, zuerst die wesentlichen Aussagen der beiden Coase-Aufsätze kurz vorzustellen, um dann die möglichen Schlussfolgerungen daraus ziehen zu können.

 

 

II. Zur Theorie der Unternehmung

 

In seinem Aufsatz "The Nature of the Firm"6) hat Coase die Grundlage für die Neue Institutionenökonomik gelegt, indem er einen Erklärungsansatz für die (rationale) Institutionenwahl geliefert hat, der mit dem Instrumentarium der neoklassischen Wirtschaftstheorie vereinbar ist. Können Entscheidungen über die Ressourcenverwendung entweder mit Hilfe des Marktes (als Koordinationsinstrument)oder der Unternehmung (als Organisation, in der Anweisungen im Subordinationsverhältnis erteilt werden) getroffen werden, unterscheiden sich beide Lösungen aber nicht hinsichtlich der herkömmlichen Kostenarten wie Produktions- und Transportkosten, ergeben sich aber dennoch Kostenunterschiede je nach der gewählten Lösung, so können diese Kosten als Transaktionskosten erfasst werden(Bössmann 1982: 664ff.; Kirchgässner 1991: 128ff.).

Ihre Höhe ist dann ein entscheidender Faktor für die Institutionenwahl. Damit lässt sich die Unternehmung als eine Lösung für die Korordination von Ressourcenverwendungsentscheidungen betrachten, die dann gewählt wird, wenn die hier anfallenden Kosten geringer ausfallen als diejenigen, die bei der Verwendung des Marktmechanismus anfielen. Will man also Marktstrukturen erklären, können Transaktionskostenuntersuchungen eine entscheidende Hilfe darstellen. Sie führen zu einer neuen Betrachtungsweise der Unternehmung. Sie zwingen aber zu neuen Untersuchungen des Marktes, indem die spezifischen Kosten marktlicher Koordination eingeführt werden. Damit kommt die Marktorganisation ins Spiel, etwa die Verwendung von Börsen, Spotmärkten, Auktionsmärkten etc.; die Art der Marktbeziehungen wird interessant, etwa die Existenz langfristiger Verträge, die Herausbildung dauerhafter Beziehungen, in deren Rahmen die Vertragsparteien kurzfristige Verträge schliessen.

Der Aufsatz zur Theorie der Unternehmung ist ein neuer Ansatz für die mikroökonomische Fundierung der Erklärung von Marktprozessen, in denen auch Unternehmungen eine Rolle spielen. An der Schnittstelle von Markt und Unternehmung sind damit Erklärungen sowohl für die Entwicklung unterschiedlicher Organisationsformen von Unternemungen möglich, als auch solche für die Substitution von Marktprozessen durch Internalisierung dieser Transaktionen in Unternehmungen.

 

 

III. Zur Theorie der Eigentumsrechte

 

In seinem Aufsatz "The Problem of Social Cost" ist Coase über die Untersuchung der Institutionen Markt und Unternehmung hinausgegangen und hat die Institution "Eigentum"und die Implikationen ihrer Ausgestaltung für die Ressourcenallokation in einer Volkswirtschaft herausgearbeitet.

Der Artikel ist an und für sich eine Kritik des Pigouschen Ansatzes der Wohlfahrtsökonomik und stellt die These auf, dass bei negativen externen Effekten eine Internalisierung durch Abgaben oder Steuern keineswegs die optimale Problemlösung darstellen muss. Berühmt geworden ist diese Abhandlung aber in erster Linie durch das im Rahmen der Argumentation eingeführte Coase-Theorem und durch die Anwendung eines mikroökonomischen Ansatzes auf rechtliche Regelungen, hier nachbarrechtliche, die den Umfang der Rechtsmacht der Eigentümer von Nachbargrundstücken betrafen. Der Streit um die Voraussetzungen, die Gültigkeit und Tragweite des Coase-Theorems hat die Ökonomie in den letzten vier Jahrzehnten immer wieder bewegt. Diese Debatte ist für die Frage, ob es im Coase-Ansatz interessante Aspekte für die Wettbewerbstheorie gibt, nicht weiter von Interesse. Der eigentumstheoretische Ansatz von Coase ist deshalv hier relevant, weil Effizienzwirkungen im Sinne der allokativen Effizienz unterschiedlicher rechtlicher Arrangements explizit erörtert werden. Denn wenn eine Alternative zur staatsinterventionistischen Lösung des Externalitätenproblems gesucht werden soll, so liegt diese möglicherweise darin, durch Ausgestaltung bestimmter rechtlich-institutioneller Regelungen zu gewährleisten, dass von zwei sich gegenseitig beeinträchtigenden Aktivitäten(Ressourcennutzung) diejenige zum Zuge kommt, die - gemessen in subjektiven Präferenzen - die höherwertige ist. Damit wird ein Zusammenhang zwischen der Ressourcennutzung in einer Volkswirtschaft und der Ausgestaltung derjenigen Rechtspositionen hergestellt, welche die Nutzungs-, Ausschliessungs-, und Verfügungsbefugnisse in Bezug auf Ressourcen regeln. Für diese rechtlichen Positionen hat sich im englischen Sprachgebrauch der Terminus "Property Rights" eingebürgert, im deutschen der Begriff "Eigentumsrechte" (oder "Verfügungsrechte"). Die Frage, welche ökonomischen Wirkungen - bezogen auf die allokative Effizienz - von diesen Eigentumsrechten und ihrer Ausgestaltung ausgehen, stellen einen wesentlichen Punkt im Ansatz der neuen Institutionenökonomik dar.7)

Das Instrumentarium , das Coase für seine Analyse verwendet, ist einfach und dient lediglich dazu, das Problem der Reziprozität der externen Effekte herauszuarbeiten, das den Anlaß gab, eine effiziente Ressourcennutzung nicht über staatliche Intervention, sondern über den Weg privater Tauschaktivitäten auf der Grundlage wohldefinierter Eigentumsrechte herzustellen. Neben den üblichen ökonomischen Prämissen, nämlich Güterknappheit und eigennutzorientierten Rationalverhalten der Akteure, muss die folgende eingeführt werden: Die den Handelnden (Akteuren) zugewiesenen Eigentumsrechte(Primärzuweisung) müssen Objekte des Tauschs zwischen den Akteuren sein können wie Wirtschaftsgüter. Insofern ist es es zutreffend zu sagen, dass der Ansatz der neuen Institutionenökonomik auf marktliche Transaktionen zielt, die an die Stelle von staatlichen interventionistischen Lösungen treten. Nicht gesagt ist damit jedoch, dass in jedem Fall diese marktlichen Transaktionen zu einem besseren Ergebnis führen als staatliche Aktivitäten. Insofern erlaubt der Ansatz gerade in der Deregulierungs-Regulierungsdiskussion eine differenzierte Analyse.

Treten die Akteure miteinander in Verbindung, um ihre eigentumsrechtlichen Positionen im Tauschwege zu ändern, so entstehen für die Verhandlung, den Tausch selbst und die Überwachung der Einhaltung der vereinbarten Tauschbedingungen spezifische Kosten, die nicht in den Rahmen der üblichen Produktionskosten passen, die vielmehr dort angesiedelt sind, wo die Akteure über Änderungen von Ressourcennutzungen entscheiden und diese durchsetzen. Sind an diesen Entscheidungen zwei oder mehr Akteure beteiligt, die entweder in marktlichen Beziehungen zueinander stehen oder die Mitglieder einer Organisation sind, so fallen hier Transaktionskosten an. Von den Produktionskosten lassen sie sich vereinfacht so abgrenzen, dass sie - bezogen auf marktliche Transaktionen - die Kosten für Informationsbeschaffung, -verarbeitung, Vertragsabschluß, Vertragsüberwachung und Vertragsanpassung bei geänderten Umweltfaktoren darstellen. Bezogen auf eine Organisation - etwa eine Unternehmung - handelt es sich um einen Teilausschnitt aus den Organisationskosten, und zwar um diejenigen, die erforderlich sind, um über die alternative Verwendung der Ressourcen zu entscheiden und diese Entscheidung durchzuführen. Coase bringt als verschiedene zur Verfügung stehende institutionelle Arrangements, die verwendet werden können, um das Externalitätenproblem zu lösen, den Markt, den Staat und die Unternehmung ins Spiel(Coase, 1976, S. 166ff.).

Ist es möglich, Eigentumsrechte im Tauschwege neu zuzuordnen, also die Primärzuweisung zu ändern und eine Sekundärzuweisung vorzunehmen, so besteht bei Ressourcennutzungskonflikten - wie sie typisch für den Fall der negativen externen Effekte sind - für denjenigen Akteur, der aus einer bestimmten Ressource einen höheren Nutzen ziehen kann als der andere Akteur, ein Anreiz, sich die dazu benötigte Rechtsposition, also das entsprechende Eigentumsrecht, im Tauschwege zu beschaffen, wenn ihm angesichts der Primärzuweisung von Eigentumsrechten die Ressourcennutzung verwehrt wird. Die von Coase herausgearbeitete Reziprozität von externen Effekten besagt also, dass die Akteure eine ökonomische Bewertung der Eigentumsrechte durchführen und gegebenenfalls einen Tausch vornehmen. Dies bedeutet aber, dass - bei freier Handelbarkeit von Eigentumsrechten, wie sie in den Prämissen vorausgesetzt worden war - sich diejenige Form der ressourcennutzung durchsetzt, die von den Akteuren als höherwertig eingeschätzt wird. Als Bewertungsmaßstab verwenden sie ihre subjektiven Präferenzen. Da aber solche Tauschaktivitäten mit Transaktionskosten verbunden sind, kommen sie nur dann zustande, wenn der auf beide Akteure entfallende Bruttovorteil des Tausches höher ist als diese Transaktionskosten. Transaktionskosten sind demnach Hemmnisse für die Herstellung allokativer Effizienz. Das Problem der Internalisierung externer Effekte wird somit überlagert von dem der Beeinflussung der Transaktionskosten. Nicht externe Effekte als solche verhindern, dass privates und soziales Optimum zusammenfallen, sondern die existierenden Transaktionskosten. Anders formuliert lässt sich sagen, dass bei fehlenden Transaktionskosten externe Effekte kein Problem darstellen, da sie auf dem Wege des Tausches von Eigentumsrechten internalisiert werden könnten. Die Primärzuweisung von Eigentumsrechten wäre dann für die Herstellung allokativer Effizienz ohne Belang. Vereinfacht ausgedrückt könnte man behaupten, dass die Ausgestaltung der Rechtsordnung in bezug auf Eigentumsrechte ökonomisch irrelevant ist. Diese Aussage ist gilt aber nur dann, wenn die Allokation und nicht die Verteilung der Ressourcen als Problem definiert wird. Diese zurückhaltende Formulierung des Coase-Theorems jedoch ist nicht geeignet, Generalurteile über die ökonomische Funktion rechtlicher Regelungen zu machen. Deshalb erschent es wenig zweckmäßig, beim Fall, dass keine Transaktionskosten anfallen, stehen zu bleiben. Geht man - wie Coase - von der Existenz von Transaktionskosten in der realen Welt aus, so wird es für den Ökonomen, der sich mit Fragen der allokativen Effizienz bezüglich des Ressourceneinsatzes in einer Volkswirtschaft beschäftigt, wichtig, sich mit zwei Problemkreisen näher zu befassen: Zum einen wird er das Verhältnis unterschiedlicher Ausgestaltungen von Eigentumsrechten zur Allokationseffizienz zu untersuchen haben. Zum anderen wird er fragen, welche rechtlichinstitutionellen Regelungen sich wie auf die Höhe der Transaktionskosten auswirken. Damit lässt sich die Abhandlung von Coase über das Problem der sozialen Kosten als Paradigmawechsel in der Wohlfahrtsökonomik begreifen, durch den an die Stelle der Diskussion der externen Effekte diejenige über die Ausgestaltung von Eigentumsrechte und den Einfluß des Rechts auf die Hühe der Transaktionskosten getreten ist.

Aus der Abhandlung von Coase lassen sich eine Reihe von Thesen gewinnen:

- Eigentumsrechte(Property Rights) sind alle Rechtspositionen, die darüber entscheiden, in welcher Art     und Weise Ressourcen von jeweiligen Verfügungsberechtigten genutzt werden können.

- Die Ausgestaltung von Eigentumsrechten hat Auswirkungenauf die Ressourcennutzung in einer      Volswirtschaft und damit auf die allokative Effizienz.

- Gäbe es keine Transaktionskosten, brauchten Effizienzanalysen eigentumsrechtliche  Regelungen nicht     durchgeführt zu werden, da die Akteure durch Tausch der ihnen primär zugeordneten Techtspositionen     eine effiziente Allokation der Ressourcen herbeuführen könnten.

- Von der Existenz von Transaktionskosten ist realistischerweise auszugehen.

- Die Höhe der Transaktionskosten hängt von den existierenden Institutionen und ihrer rechtlicher     Ausgestaltung ab.

- Die Akteure werden bei der Wahl der institutionellen Lösung die dafür anfallenden Transaktionskosten in     Rechnung stellen.

- Die Rechtsordnung ist damit ein relevanter Faktor für die Frage, ob es zur Ressourcenvergeudung     kommt, da möglicherweise bestimmte institutionelle Lösungen, die aus der Sicht der handelnden Akteure     vorteilhaft sind, nicht  realisiert werden können.

 

 

IV. Möglicher Ansätze bei Coase für Wettbewerbstheorie,  

    Wettbewerbspolitik und Wettbewerbs- und Kartellrecht

 

1. Vorüberlegungen

 

Man könnte von den Schwächen in den derzeit verwendeten Ansätzen, Konzeptionen und Leitbildern in Wettbewerbstheorie und -politik8) ausgehen und fragen, ob sich hier neue Überlegungen aus der Neuen Institutionenökonomik ergeben. Das hieße aber, dass man bereits einen Ansatz jenseits von Wettbewerbstheorie, Wettbewerbspolitik und Wettbewerbs- und Kartellrecht voraussetzen muß, von dem aus eine Kritik erfolgen soll. Deshalb erscheint ein anderer Weg sinnvoller: In einem ersten Schritt könnte überlegt werden, welche Anstöße vom Coase-Ansatz ausgehen könnten, am besten getrennt nach den beiden Artikeln. Sodann könnte man gesondert die Wettbewerbstheorie, die Wettbewerbspolitik und das Wettbewerbs- und Kartellrecht durchgehen, um hier gezielt Möglichkeiten von Weiterentwicklungen und möglicherweise von Neukonzeptualisierungen aufzuweisen.

 

2. Mögliche wettbewerbstheoretische Schlußfolgerungen aus den beiden Coase-Aufsätzen

 

  a) Theorie der Unternehmung(Nature of the Firm)

 

Stellt sich die Wahl zwischen der Organisationsform der Unternehmung und der des Marktes als eine transaktionskostenorientierte Wahlentscheidung dar, so hängt der Grad der vertikalen Integration in einer Volkswirtschaft von den entsprechenden Transaktionskostenunterschieden ab. So ist zu erwarten, dass bei einer Änderung dieser Kostendifferenzen auch Verschiebungen im Grad der vertikalen Integration eintreten werden. Der Coase-Ansatz liefert damit eine Erklärung für bestimmte Änderungen von Marktstrukturen. Zugleich ist aber in diesem Ansatz eine weitere Aussage enthalten, dass nämlich dann, wenn die Rechtsordnung solche Marktstrukturänderungen unterbindet oder erschwert, dies zu volkswirtschaftlichen Wohlfahrtseinbußen führen kann. Schließlich wird deutlich, dass die einfache Gegenüberstellung Unternehmung und Markt nicht nur die Wirklichkeit verfehlt, sondern auch als theoretisches Model falsch angelegt ist, da im Rahmen der Institutionenwahl sehr wohl Elemente von Markt und Unternehmung gemischt werden können und Organisationsformen von Märkten entwickelt werden können, die der herkömmlichen Vorstellung einfacher Austauschbeziehungen keineswegs entsprechen müssen.

Die Überlegungen vo Coase zur Theorie der Unternehmung führen zwangsläufig dazu, dass die strenge Trennung zwischen Wettbewerbstheorie auf der einen und Theorie der Unternehmung auf der anderen Seite in der herkömmlichen Form schlecht durchhaltbar sein wird. Dabei geht es hier nicht um die Frage, ob das Verhalten von Unternehmen im Wettbewerb als Resultat der internen Unternehmensorganisation zu begreifen ist, sondern um die Alternativität von Unternehmung und Markt, bzw. den verschiedenen denkbaren Gestaltungsformen dieser Institutionen(Cox,H.,Hübener,H., 1981, S. 19f.). Für die Wettbewerbstheorie heißt dies, dass eine Markttheorie die Funktionsweise von Märkten in Abhängigkeit von der jeweiligen institutionellen Ausgestaltung zu analysieren hat. Der Begriff der "Funktionsfähigkeit" von Wettbewerb ist im Lichte derartiger Forschungen möglicherweise neu zu fassen.

 

  b) Theorie der Eigentumsrechte(Problem of Social Cost)

 

Auf den ersten Blick hat es den Anschein, ob aus der Theorie der Eigentumsrechte für Wettbewerbstheorie, Wettbewerbspolitik und Wettbewerbs- und Kartellrecht keinerlei neue Erkenntnisse für die hier interessierende Fragestellung gewonnen werden könnten. Denn es geht vordergründig um konfligierende Ressourcennutzungen und die Suche, welche institutionellen Lösungen vorzugswürdig sind. Immerhin wird aus den Ausführungen eine allgemeine Skepsis gegenüber staatlichen interventionistischen Lösungen erkennbar, da hier das Informationsproblem zur Frage führt, ob zentrale oder dezentrale Informationsgewinnung und -verarbeitung kostengünstiger zu bewerkstelligen ist. Im Wettbewerbs- und Kartellrecht führt dies dann zur Entscheidung, ob Kartellrecht eher durch bürokratisch-zentralistische Verfahren oder durch von den Betroffenen geführte streitige Verfahren umgesetzt werden sollte.9) Diese Informationskostenüberlegung, die im Aufsatz "The Problem of Social Cost"eine wichtige Rolle spielt, läßt sich bereits auf die grundlegenden Erwägungen Hayeks zu diesem Problem zurückführen.10)

Desweiteren könnte eine andere Aussaage im Ansatz von Coase zur Theorie der Eigentumsrechte für Wettbewerbstheorie, Wettbewerbspolitik und Wettbewerbs- und Kartellrecht interessant werden: Wenn er sagt, dass bei konfligierenden Ressourcennutzungen grundsätzlich drei Lösungswege in Betracht kommt(Vertrag, Unternehmung, Staat), so impliziert dies, dass es eine Klasse von Fällen geben sollte, in denen die Unternehmung die im Verhältnis zu den anderen beiden Lösungen geeignetere institutionelle Lösung darstellt. Ist dies aber so, dann gäbe es eine Klasse von Unternehmenszusammenschlüssen, die volkswirtschaftlich grundsätzlich sinnvoll sind, da sie zu Transaktionskosteneinsparungen führen. Dabei geht es um folgende Problemsituation: Eine vertragliche Einigung zwischen den Akteuren, deren Ressourcennutzungen konfligieren, scheitert an zu hohen Transaktionskosten, etwa weil zu viele Akteure beteiligt sind. Ein Unternehmenszusammenschluß eröffnet die Möglichkeit, das Problem dann unternehmensintern zu lösen.

Neben dieser Schlußfolgerung für die Beurteilung von Unternehmenszusammenschlüssen läßt sich eine sehr viel allgemeinere für die Wettbewerbstheorie aus dem eigentumsrechtlichen Ansatz von Coase ziehen: Die "Eigentumsrechte" werden nicht nur durch sachenrechtliche Verfügungsbefugnisse und deliktsrechtliche Haftungsregeln definiert, sondern auch durch diejenigen Einschränkungen der Verfügungsbefugnis über Ressourcen, die sich aus den Regelungen des Wettbewerbs- und Kartellrecht ergeben. Wettbewerbs- und Kartellrecht( unter Einschluß des Fusionskontrollrechts) sind folglich in diesem Ansatz rechtliche Regelungen, die "Eigentumsrechte" fixieren. Dies eröffnet die Möglichkeit, Regelungen des Wettbewerbs- und Kartellrechts in die Diskussion der Theorie der Eigentumsrechte zu integrieren.

 

3. Wettbewerbstheorie

 

Geht man im Ansatz, der eine Verbindung zwischen Marktstruktur, Marktverhalten und Marktergebnis herstellt, von bestimmten Strukturvariablen aus(wie Marktanteile, Höhe der Marktzutrittsschranken, Größenvorteile, Produktdifferenzierung), um von da aus Rückschlüsse auf Marktverhalten und Marktergebnis zu gewinnen, so müßte dieser Ansatz im Lichte der Transaktionsökonomie neu überprüft werden. Transaktionskostenunterschiede unterschiedlicher institutioneller Arrangements stellen möglicherweise einen relevanten Faktor der Marktstruktur dar, der dann wiederum das Marktverhalten prägt. Sinken etwa Informationskosten in Märkten, während unternehmensinternen Informationskosten gleichbleiben, so stellt dies einen Anreiz für die Verwendung des Marktes als Institution der Ressourcenallokation dar und zugleich eine Barriere für unternehmensinterne Lösungen. Folglich könnten in einer solchen Konstellation Dekonzentrationsbewegungen erwartet werden, die von der Institutionenwahl der im Markt tätigten Akteure ausgehen. Unzweifelhaft ist eine solche Entwicklung für eine Wettbewerbstheorie, die als positive ökonomische Theorie die Ursachen für Änderungen im Wettbewerbsprozeß zu analysieren versucht, relevant. Desgleichen ist aber auch ein Übergang von Markttransaktionen aufgrund einfacher Austauschverträge zu solchen auf der Grundlage von Vertragsnetzen mit Langzeitverträgen(rationale Verträge synbiotische Verträge11)) von Bedeutung, da Wettbewerbsprozesse in diesen unterschiedlichen institutionellen Arrangements prinzipiell anders ablaufen. Auch hier wird wiederum deutlich, dass die traditionelle Kluft zwischen Wettbewerbstheorie auf der einen Seite und Theorie der Unternehmung auf der anderen Seite schon deshalb überwunden werden muß, da beide sehr ähnliche Untersuchungsgegenstände haben. Die Organisation eines dezentralen Konzerns kann so ausgestaltet sein, dass ökonomisch eine direkte Austauschbarkeit zu Vertragsnetzen zwischen rechtlich verbundenen Unternehmen gegeben ist. Für die Wettbewerbstheorie ist diese Ausweitung des Blickfeldes deshalb nicht unwichtig, da sich vergleichende Analysen alternativer institutioneller Lösungen durchführen lassen, die geeignet sein können, Marktprozesse besser zu erklären als dies heute der Fall ist.

 

4. Wettbewerbspolitik

 

Wird Wettbewerbspolitik als Versuch verstanden, solche Marktstrukturen herzustellen, die gewährleisten, dass bestimmte wirtschaftspolitische Ziele erreicht werden, so bedeutet ein Aufgreifen des Coase-Ansatzes, dass hier ein Instrumentarium zur kritischen Überprüfung der Zielkompatibilität bestimmter wettbewerbspolitischer Instrumente zur Verfügung gestellt wird. Wird etwa davon ausgegangen, dass vertikale Integration in Form von selektiven Vertriebs- und Absatzsystemen durch wettbewerbspolitische Instrumente insofern zu verhindern ist, als dadurch nicht beteiligten Unternehmen der Zugang zu vor- oder nachgelagerten Märkten erschwert wird oder als dadurch die gebundenen Unternehmen in ihrer Vertragsfreiheit bezüglich des Kontrahierens mit Dritten beeinträchtigt werden, so würde hier von seiten des Coase-Ansatzes folgende Kritik zu erfolgen haben: Stehen für die vertikale Integration alternativ eine unternehmensinterne Lösung(dezentral organisierter Konzern) und ein Vertragsnetz von Langfristverträgen zwischen rechtlich nicht verbundenen Unternehmen zur Verfügung und ist die unternehmensinterne Lösung aufgrund unternehmens- und gesellschaftsrechtlicher Regelungen durchführbar, die Vertragslösung augfrund der erwähnten restriktionen nicht, so würden diese Restriktionen tendenziell zu einer verstäkten vertikalen Unternehmenskonzentration führen. Diese wäre dann mit anderen Zielen dieser Wettbewerbspolitik unvereinbar. Es resultiert dann ein Paradox: Ein wettbewerbspolitisches Instrument, das der Bewahrung des Wettbewerbs dienen soll, wirkt konzentrationsfördernd.12) Dieses im ersten Augenblick frappierende Ergebnis ist letztlich die Konsequenz einer Ausweitung des Objektbereichs der Wettbewerbstheorie, die über den Bereich von Marktstrukturen und Wettbewerbsprozessen in Märkten alternative institutionelle Lösungen in die Untersuchung einbezogen werden. Wettbewerbspolitisch ist dies geboten, da die handelnden Akteure durch Erreichung bestimmter Restriktionen veranlaßt werden sollen, solche Entscheidungen zu treffen, die als zielkompatibel angesehen werden.

Man kann bezüglich des möglichen Einflusses des CoaseAnsatzes auf die Wettbewerbspolitik auch noch einen Schritt weitergehen und Wettbewerbspolitik ihrerseits neu definieren. Sie kann nämlich als Herstellung eines rechtlich-institutionellen Umfeldes begriffen werden, innerhalb dessen die Akteure in der Lage sind, ihrerseits durch eigene Institutionenwahl vorteilhaftere Lösungen als die derzeit realisierten zu erreichen. Die zentrale Frage einer solchen Wettbewerbspolitik kann dann auf das Problem der Internalisierung oder Ausschaltung negativer externer Effekte reduziert werden. Es geht nicht darum, bestimmte Marktstrukturen herzustellen oder zu gewährleisten, sondern bestimmte Aktivitäten, von denen negative externe Effekte ausgehen, auszuschalten. Interessant ist insbesondere, dass damit keineswegs als Instrumentarium nur das traditionelle Wettbewerbs-und Kartellrecht in Betracht kommt, sondern prinzipiell alle rechtlich-institutionellen Regelungen des internationalen Wirtschaftsrechts, vertragsrechtliche Regelungen, Regelungen des Immaterialgüterrechts ebenso ein wie solche des Unternehmens- und Gesellschaftsrechts, des Haftungsrechts, aber auch des Rechts der Europäischen gemeinschaften, und hier insbesondere die Gewährleistung der Marktfreiheiten (freier Waren- und Dienstleistungsverkehr, Freizügigkeit der Arbeitnehmer, Niederlassungsfreiheit und Freiheit des Kapital- und Zahlungsverkehr.

 

5. Wettbewerbs- und Kartellrecht

 

Wettbewerbs- und Kartellrecht ist nach dem oben Gesagten nur eine der rechtlichen Regelungsmaterien, die für die Ausgestaltung der Wettbewerbsordnung relevant sind. Geht man von dieser Regelungsmaterie. Aus der Perspektive des Coase-Ansatzes ist nicht in erster Linie die Schaffung von Wettbewerbs- und Kartellrecht durch den Gesetzgeber und die Gerichte, das bestimmte Aufgaben der Wettbewerbspolitik zu erfüllen hat)instrumentalistischer Ansatz), von Interesse. Vielmehr steht im Vordergrund eine kritische Analyse der tatsächlichen Wirkungsweise existierender wettbewerbs- und kartellrechtlicher Regelungen. Ein Beispiel für Möglichkeiten solcher Untersuchungen wurde im Vorabschnitt skizziert.

Entsprechende Analysen haben etwa auf dem Gebiet des Wettbewerbsrechts im engeren Sinne gezeigt, dass die restriktive rechtliche Regelung von bestimmten Vertriebsarten durch das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb volkswirtschaftlich zu Transaktionskostensteigerungen führen kann(Kirchner, 1986, S. 205 - 218.).

Auf dem gebiet des Kartellrechts werden insbesondere Untersuchungen der fusionskontrollrechtlichen Regelungen von Interesse sein, da es um eine Unterscheidung verschiedener Arten von Unternehmenszusammenschlüssen geht. So spielen Transaktionskostenüberlegungen bei bestimmten Unternehmenszusammenschlüssen eine Rolle. Werden diese durch fusionskontrollrechtliche Regelungen verhindert, ist zu prüfen, welche volkswirtschaftlichen Kostensenkungen verhindert werden und ob dies durch die erwarteten positiven Effekte, die auf intensiveren Wettbewerb zurückgeführt werden, kompensiert wird. Allerdings ist bei solchen Analysen insofern Skepsis geboten, als zwar auf der einen Seite die Transaktionskostennachteile relativ exakt bestimmt werden können, auf der anderen Seite die möglichen positiven Effekte, die auf intensiveren Wettbewerb zurückzuführen sind, aber nur in groben Umrissen. Diese Asymmetrie der Folgenerfassung verbietet es, allein aus der Tatsache von zu erwartenden Transaktionskostennachteilen auf die Nichtanwendbarkeit von fusionskontrollrechtlichen Regelungen zu schließen. Aber immerhin wird deutlich, dass die Konzentration auf die Diskussion um die Berücksichtigung von Effizienzsteigerungen bei der ZUlässigkeit von wettbwerbsschädlichen Unternehmenszusammenschlüssen zu kurz greift.

Schließlich ist zu erwarten, dass die kartellrechtliche Beurteilung vertikaler Vertriebs- und Bezugssysteme im Lichte der Analyse alternativer institutioneller Lösungen neu zu überdenken ist.

Angesichts der Fülle offener Fragen auf dem Gebiet des Wettbewerbs- und Kartellrechts muß die Aufzählung möglicher Problemfelder lückenhaft bleiben. Interessant sind aber weniger die einzelnen Beispiele als die andere Perspektive, aus der diese Regelungsmaterie gesehen wird. Es wird jeweils vom Entscheidungsfeld der Akteure Lösungen zu realiseren suchen, die für sie vorteilhafter sind als die gegenwärtigen. Zugleich wird angenommen, dass die Frage, ob möglicherweise Dritte durch diese Entscheidungen geschädigt werden, nur dann in das Entscheidungskalkül eingeht, wenn diese die betreffenden Transaktionen entweder verbieten können oder für den ihnen entstehenden Nachteil einen Ausgleich verlangen können. Im Ansatz von Coase gilt es nur auf der einen Seite, eine Lösung zu finden, in der Transaktionskosten reduziert werden, auf der anderen Seite geht es um die sogenannte Reziprozotät des Problems. Den Vorteilen, die einer Gruppe von Akteuren zufließen, stehen Nachteile einer anderen Gruppe gegenüber. Wird deshalb die betreffende Aktivität durch Einführung neuer Restriktionen verhindert, so treten zwar die genannten Nachteile nicht auf; aber auch die möglichen Vorteile lassen sich nicht realisieren. Folglich taucht die Frage auf, ob Problemlösungen möglich sind, bei denen der Gesamtvorteil aller Akteure maximiert wird.

 

 

V. Fazit und Ausblick

 

Die hier angestellten Überlegungen mußten skizzenartig und lückenhaft bleiben. Sie haben auch aufgezeigt, dass der Ansatz von Coase sehr wohl interessante Anstöße für Wettbewerbstheorie, Wettbewerbspolitik und Wettbewerbs- und Kartellrechtgeben kann. Insbesondere ist auch deutlich geworden, dass eine Behauptung , es könne von diesem Ansatz nur eine Entwicklung in Richtung auf den Chicago-Ansatz geben, schlicht unzutreffend ist. Die eigentliche Chance auf dem Gebiet der Wirtschaftstheorie scheint darin zu liegen, dass die Wettbewerbstheorie aus ihrer Randlage wieder ins Zentrum der Theorie geholt wird. Theorie der Unternehmung und Wettbewerbstheorie sind entscheidend für die Analyse der modernen Wirtschaft und ihrer Funktionsweise. Die Trennung dieser beiden Theorien, deren Überwindung schon lange das Anliegen zahlreicher Bemühungen war, ist insbesondere für das Verständnis der tatsächlichen Funktionsweise von Märkten schädlich.

Es wird nicht einfach sein, die hier als möglich erachteten Anstöße auch in der Praxis zu realisieren. Die vordringlichsten Aufgaben liegen zum einen auf dem Gebiet der Wettbewerbstheorie und zum anderen auf einer neuen theoretischen Durchdringung des Wettbewerbs- und Kartellrechts.

 

 

Literatur

 

1. Bössmann, E., Volkswirtschaftliche probleme der Transaktionskosten, Tübongen 1982.

2. Clapham, K., Das wettbewerbspolitische Konzept der Wettbewerbsfreiheit, S. 129 - 148, Cox,H.      u.a.(Hg.), Handbuch des Wettbewerbs, München 1981, S. 129 - 148.

3. Coase, R.,The Nature of the Firm, Economica 4(1937), S. 368 - 405.; wieder abgedrückt in      Kurzfassung, in: Posner, R., Scott, K., Economics of  Corporation Law and Securities Regulation,      Boston, Toronto 1980, S. - 7.

4. ders., The Problem of Social Cost, Journal of Law and Economics 3(1960), S. 1 - 44.

5. ders., The Firm, the Market and Law, Chicago 1988.

6. Cox, H., Hübener, H., Wettbewerb. Eine Einführung in die Wettbewerbstheorie und Wettbewerbspolitik,      in: Cox, H. u.a.(Hg.), Handbuch des Wettbewerbs, München 1981, S. 1 - 48.

7. Demsetz, H., Economics as a Guide to Antitrust Regulation, Journall of Law and Economics 14(1976);      deutsche Fassung : Wirtschaftswissenschaft als Leitfaden für die Antitrustregelung, in: Kirchner, Ch.      u.a.(Hg.), Ökonomische Analyse des Rechts, Kromberg/Ts. S. 330-349.

8. Daintith, T., The Design and Performance of Longterm Contracts, in: Daintith, T., Teubner, G.(Hg.),      Contract and Organization, Berlin/New York 1986, S. 164 - 189.

9. Gäfgen, G., Entwicklung und Stand der Theorie der Property Rights: Eine kritische Bestandsaufnahme,      in: Neumann, M.(Hg.), Ansprüche, Eigentums- und Verfügungsrechte, Schriften des Vereins für      Socialpolitik, N.F.Bd. 140, Berlin 1984, S. 43 - 62.

10. Hayek, F.A., The Use of Knowledge in Society, American Economic Review  35(1945), S. 519 - 530.

11. Katz, M.L., Vertical Contractual relations, in: Schmalensee, R., Willig, R.(Hg.), Handbook of Industrial       Organization , Cambridge/Mass., 1989, S. 655 - 721.

12. Kantzenbach, E., Kallfass, H., das Konzept des funktionsfähigen Wettbewerbs -workable competition,       Cox, H. u.a.(Hg.), Handbuch des Wettbewerbs, München 1981, S. 103 - 127.

13. Kirchgässner, G., Homo Oeconomicus, Tübingen 1991.

14. ders., Privatization. Plans of Central and Eastern European States, Zeitschrift für die gesamte       Staatswissenschaft. Journal of Institutional and Theoretical  Economics 148(1992), S. 4 - 19.

15. ders., Unternehmensorganisation und Vertragsnetz. Überlegungen zu den rechtlichen Bedingungen       bei der Institutionenwahl zwischen Unternehmensorganisation und Vertragsnetz, Travermünde 1992.

16. Linder, L., Privatlage und Schadensersatz im kartellrecht, Baden-baden 1980.

18. Schanze, E., Der Beitrag von Coase zu Recht und Ökonomie des Unternehmens, Zeitschrift für die      gesamte Staatswissenschaft, Journal of  Institutional and Theoretical Economics 137(1981), S. 694 -      701.

19. Steindorff, E., Gesetzgeberische Möglichkeiten verbesserter Durchsetzung des Gesetzes gegen       Wettbewerbsbeschränkungen, ZHR 138(1974), S. 504 - 532.

20. Williamson, O., The Economics of Antitrust: Transaction Cost Considerrations, Uni. of Pennsylvania       Law Review 122(1974).

21. ders., Transaction Cost Economics, in: Schmalensee, R., Willig, R.(Hg.), Handbook of Industrial      Organization , Vol. 1, Amsterdam 1989, S. 135 - 182.

 

 

각주

*사회 과학대학 경제학부 교수

1) Coase, R., The Nature of the Firm, Economica 4(1937), S. 368 - 405.; wieder abgedrückt in      Kurzfassung in: Posner, R., Scott, K., Economics of Corporation Law and Securities Regulation,     Boston, Toronto 1980, S. 3 - 7.

2) Coase, R., The Problem of Social Costs, Journal of Law and Economics 3(1960), S. 1 -44; deutsche     Übersetzung von Ch.Kirchner, in: Assmann, H. u.a. (Hg.), Ökonomische Analyse des Rechts,     Kronberg/Taunus 1978, S. 146 - 202.

3) Die beiden zentralen Aufsätze von Coase, seine Erwiderungen auf Kritiken und einige andere     Abhandlungen sind in letzter Zeit abgedruckt in: Coase, R., The Firm, the Market and Law, Chicago     1988.

4) Vgl. den umfassenden Überblick bei Williamson,O., Transaction Cost Economics, in: Schmalensee, R.,     Willig,R.(Hg.), Handbook of Industrial Organization, Vol. 1, Amsterdam u.a. 1989, S. 135 - 182.

5) Diesem Aspekt kommt derzeit deshalb besondere Bedeutung zu, da die Transformation der     Wirtschaftssysteme der ehemaligen Ostblockländer in funktionsfähige Marktwirtschaften eine völlig neue     Gestaltung dieser Institutionen voraussetzt. Vgl. dazu Kirchner, Ch., Privatization  Plans of Central and     Eastern European States, Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft, Journal of Insttutional and     Theoretical Economics 148(1992), S. 4 - 19.

6) Zur Einschätzung des Coase-Ansatzes für die Weiterentwicklung der Theorie der Unternehmung vgl.     Schanze, E., Der Beitrag von Coase zu Recht und Ökonomie des Unternehmens, Zeitschrift für die     gesamte Staatswissenschaft, Journal of Institutional and Theoretical Economics 137(1981), S. 694 -701.

7) Eine guten Überblick über die Theorie der Eigentumsrechte bietet Gäfgen, G., Entwicklung und Stand     der Theorie der Property Rights: Eine kritische Bestansaufnahme , in: Neumann,M(Hg.), Ansprüche,     Eigentums- und Verfügungsrechte, Schriften des Vereins für Socialpolitik,N.F. Bd. 140, Berlin 1984, S. 43     - 62.

8) Vgl. Zur Diskussion um Stand und Weiterentwicklung der Wettbewerbstheorie Cox,H., Hübener,H.,     Wettbewerb. Eine Einführung in die Wettbewerbstheorie und Wettbewerbspolitik, in: Cox,H u.a.(Hg.),     Handbuch ds Wettbewerbs, München 1981, S. 1 - 48; In diesem Band auch die Beiträge von     Kantzenbach,E., Kallfass,H., Das Konzept des funktionsfähigen Wettbewerbs - workable competition, S.     103 - 127; Clapham,K., Das wettbewerbspolitische Konzept der Wettbewerbsfreiheit, S. 129 - 148.

9) Vgl. Steindorff, E., gesetzgeberische Möglichkeiten verbesserter Durchsetzung des Gesetzes gegen     Wettbewerbsbeschränkungen, ZHR 138(1974), S. 504 - 532; Linder, L., Privatklage und Schadensersatz     im Kartellrecht, Baden-Baden 1980.

10) Hayek,F.A., The Use of Knowledge in Society, American Economic Review 35 (1945), S. 519 - 530.

11) Vgl. Zur ökonomischen Theorie von derartigen Langzeitverträgen: Daintith, T., The Design and     Performance of Long-term Contracts, in: Daintith, T.,Teubner, G.(Hg.), Contract and Organization,     Berlin, New York 1986, S. 164 - 189; Katz, M.L., Vertical Contractual Relations, in: Schmalensee, R.,     Willig, R.(Hg.), Handbook of Industrial Organization, Cambridge/Mass., 1989, S. 655 - 721.

12) Diese Argumentation ist im einzelnen ausgeführt in Kirchner, Ch., Unternehmensorganisation und     Vertragsnetz. Überlegungen zu den rechtlichen Bedingungen bei der Institutionenwahl zwischen     Unternehmensorganisation und Vertragsnetz, Travermünde 1992.