Armut im Wohlstandsland Deutschland

 

                                                      

                                                      Ki-Whang Yun*

 

 

 

Einleitung

 

  Bereits 1989 veröffentlichte der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband die Ergebnisse einer umfassenden Untersuchung über Armut in Deutschland. Darin unterteilt er die deutsche Gesellschaft in eine Zwei-Drittel-Gesellschaft, d.h. der Mehrheit der Deutschen geht es gut, aber immer mehr Alte, Frauen, Alleinerziehende und Familien mit mehreren Kindern werden an den gesellschaftlichen Rand gedrängt.1)

  Die Untersuchung der Forschungsgruppe “Sozialkarrieren” der Universität Bremen kommt zu dem Ergebnis, daß in Deutschland in der Zeit von 1984 bist 1992 70 Prozent der Bevölkerung nie, 20 Prozent gelegentlich, 10 Prozent längerfristig arm waren und 1,3 Prozent in ständiger Armut leben.2)

  ‘Der Staatsbürger’, Beilage der Bayerischen Staatszeitung, schreibt in seiner Ausgabe im August 1995: “In der Bundesrepublik Deutschland gab es noch nie so viele Arme, Wohnungslose und Sozialhilfeempfänger wie jetzt. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und der Paritätische Wohlfahrtsverband sprachen 1994 von rund 7,25 Millionen Armen in Deutschland - 4,65 Millionen im Westen und 2,6 Millionen im Osten. 180 000 Obdachlose lebten auf der Straße, schätzungsweise 700 000 waren in Unterkünften oder Hotels untergebracht. 1993 lag die Zahl der Sozialhilfeempfänger mit 4,6 Millionen doppelt so hoch wie 1980. Über die Hälfte von ihnen ist im erwerbsfähigen Alter. 1992 lebte in Westdeutschland jedes achte bis neunte Kind in einem einkommensschwachen Haushalt.

  In Ostdeutschland war es mehr als jedes fünfte Kind. Versteht man Armut als Anhäufung von mindestens zwei Situationen der Unterversorgung, waren im Osten 10,3 Prozent und im Westen 7,3 Prozent der Bevölkerung von Armut betroffen.“3)

 

1.  Einkommensarmut in Deutschland

 

a) Definition

 

  Die Beschäftigung mit dem Phänomen “Armut” verlangt eine genaue Begriffsbestimmung.

  “Armut meßbar zu machen ist eine schwierige Aufgabe, die im streng wissenschaftlichen Sinn nicht zu lösen ist; denn letztlich stehen hinter jeder Interpretation des Armutsbegriffs und hinter jedem darauf beruhenden Meßverfahren Wertüberzeugungen, über deren Richtigkeit im ethischen Sinn sich wissenschaftlich nicht abschließend urteilen läßt. Aus diesem Grund kann jedes Ergebnis einer empirischen Armutsmessung von einer anderen Wertbasis aus angegriffen werden.”4) Parteien, Verbände, Kirchen, Gewerkschaften und Bürger haben unterschiedliche Vorstellungen von “arm sein”. Einig ist man sich nur darüber, daß Armut in Deutschland ein anderes Gesicht hat als z.B. Armut in Ländern der Dritten Welt.

  Armut muß relativ zum jeweiligen durchschnittlichen Wohlstandniveau gemessen werden. Eine grobe Festlegung der Armutsgrenze gibt es in der EU seit 1981: Arm ist, wer über weniger als die Hälfte des durchschnittlichen Einkommens des jeweiligen Landes verfügt. Nach der Caritas ist der arm, der weniger als die Hälfte des durchschnittlichen Nettoeinkommens (abzüglich Miete/Wohnkosten) hat. Miete plus 600.- DM gilt danach als Grenze zur Armut.5)

  “Wenn wir von Armut in der Bundesrepublik sprechen, dann meinen wir Armut in einer relativen Form: ein Existenzniveau unterhalb von Grenzen, die im Verhältnis zum Wohlstand der Gesamtbevölkerung zu sehen sind...Es hängt vom Selbstverständnis eines Sozialstaats ab, welcher Abstand vom Durchschnittsabkommen noch zumutbar erscheint, welches Ausmaß an sozialer Ungleichheit akzeptiert wird - je nachdem verändert sich auch die Zahl der Armen.” (Paritätischer Wohlfahrtsverband)6)

  Da Armut relativ zum Wohlstandniveau gemessen wird, ist es akzeptabel und aussagekräftig, die Einkommensarmut zu untersuchen, “weil Einkommen in einer hochentwickelten Volkswirtschaft eine notwendige, wenn auch nicht immer hinreichende Bedingung für die Erfüllung von Grundbedürfnissen darstellt, deren angemessene Befriedigung für das Erreichen eines soziokulturellen Existenzminimums erforderlich ist. ... Es wird vermutet, daß Personen und Familien, die zu weit unterhalb der durchschnittlichen Lebensverhältnisse existieren müssen, gesellschaftlich ausgegrenzt werden, d.h. daß das gesellschaftspolitische Ziel der Integration aller Gesellschaftsmitglieder zunehmend verletzt wird.”7)

 

b) Die Einkommensentwicklung und Einkommensverteilung von 1991 bis 1995 in Deutschland

 

  Für die Jahre 1991 bis 1995 liegen Zahlen aus den alten und neuen Bundesländern vor. Da die Lohn- und Produktivitätsniveaus und die daran anknüpfenden Rentenniveaus in den einzelnen Teilgesellschaften noch sehr unterschiedlich sind, ist es sinnvoll, die Einkommensverteilung und Armutsgrenzen für diesen Zeitraum getrennt zu betrachten.

  Den Statistiken liegt das Nettoeinkommen zugrunde. Dieses enthält das Erwerbs- und Kapitaleinkommen zuzüglich aller Sozialleistungen, z.B. Kindergeld, abzüglich der Steuern und Sozialabgaben.

  In den alten Bundesländern stieg das durchschnittliche nominelle monatliche Haushaltseinkommen von 3 366.- DM im Jahr 1991 auf 3 947.- DM im Jahr 1995, also um ca. 17,3 Prozent, in den neuen Bundesländern von 1 892.- DM auf 3 076.- DM, d.h. um ca. 63 Prozent.8)  Für Armuts- und Verteilungsanalysen ist jedoch das Haushaltseinkommen nicht geeignet, da Haushalte unterschiedlich groß sind. Auch das Pro-Kopf-Einkommen ist ungeeignet, da nicht berücksichtigt wird, daß gemeinsames Wirtschaften im Haushalt Kosten einspart und der Bedarf der Kinder geringer ist. Als Wohlstandindikator dient darum das gewichtete Pro-Kopf-Einkommen, das auch als Nettoäquivalenzeinkommen bezeichnet wird. Dieses stieg in den alten Bundesländern von 1 881.- DM auf 2 232.- DM und in den neuen Bundesländern von 982.- DM auf 1 659.- DM an. Die Preissteigerung betrug im Westen in dem Zeitraum 1991-1995  12,9 Prozent und im Osten 29,4 Prozent. Preisbereinigt stieg also das durchschnittliche Einkommen im Westen um ca. 5,1 Prozent und im Osten um ca. 30,6 Prozent.9)

  Um genauere Aussagen darüber zu gewinnen, wie Personen bzw. Personengruppen vom Anstieg des Lebensstandards betroffen sind, wird die Bevölkerung in Fünftel (Quintil) eingeteilt und gefragt, wie hoch ihr jeweiliger Anteil am Gesamteinkommen ist und wie sich dieser Anteil im Betrachtungszeitraum verändert hat. Bei einer völlig gleichen Einkommensverteilung müßte jedes Fünftel der Bevölkerung auch ein Fünftel des Gesamteinkommens beziehen. Über die tatsächliche Einkommensverteilung gibt Tab. 110) Auskunft. Danach bezog im Westdeutschland das untere Quintil der Bevölkerung im Jahr 1991 nur 9,5 Prozent des Gesamteinkommens, im Jahr 1995 9,1 Prozent.

  Auf das oberste Quintil fielen im Jahr 1991 36,4 Prozent. Dessen Anteil am Einkommen stieg auf 37,8 Prozent im Jahr 1995.

  In Ostdeutschland hatte das unterste Quintil im Jahr 1991 11,3 Prozent des Nettoäquivalenzeinkommens. Dieser Anteil sank auf 10,4 Prozent im Jahr 1995. Das oberste Quintil bezog im Jahr 1991 31,7 Prozent und im Jahr 1995 32,8 Prozent.

 

 

Tab. 1


Verteilung des Nettoäquivalenzeinkommens auf die Quintile in den alten Bundesländern:


 

1991

1992

1993

1994

1995

 

1. Quintil 

2. Quintil 

3. Quintil 

4. Quintil 

5. Quintil 

 

9,5 

13,9 

17,6 

22,6 

36,4 

 

9,4 

13,8 

17,7 

22,3 

36,8 

 

9,2 

13,7 

17,5 

22,5 

37,1 

 

9,2 

13,5 

17,3 

22,4 

37,5 

 

9,1 

13,6 

17,3 

22,2 

37,8 

Verteilung des Nettoäquivalenzeinkommens auf die Quintile in den neuen Bundesländern:


 

1991

1992

1993

1994

1995

 

1. Quintil 

2. Quintil 

3. Quintil 

4. Quintil 

5. Quintil 

 

11,3 

15,8 

18,8 

22,4 

31,7 

 

11,1 

15,8 

18,9 

22,4 

31,8 

 

10,8 

15,5 

18,8 

22,6 

32,3 

 

10,3 

15,6 

18,9 

22,7 

32,5 

 

10,4 

15,2 

18,8 

22,8 

32,8 

 

  In beiden Landesteilen hat sich die Situation für das unterste Quintil verschlechtert und für das oberste Quintil verbessert und die Ungleichheit der Verteilung der Nettoäquivalenzeinkommen zugenommen. Das Ausmaß der Ungleichheit war aber in den neuen Bundesländern deutlich geringer als in den alten.

  Zusätzliche Informationen liefert Tabelle 211), aus der hervorgeht, wieviel Prozent der Bevölkerung weniger als das durchschnittliche Einkommen bezieht und welcher Prozentanteil darüber liegt. Dabei wurden Einkommensklassen gebildet. Auch hier liegen die Zahlen für die alten und die neuen Bundesländer getrennt vor.

 

 

Tab.2

 

Verteilung von Personen auf Nettoäquivalenzeinkommensklassen in den alten und neuen Bundesländern 1991 - 1995 (Personenanteile in Prozent)

 

Alte Bundesländer

Vielfache des durchschnittlichen Nettoäquivalenzeinkommens

Einkom-

mens-

klasse

 

 

 

 

 

 

 

 

unter 

0,50 

 

0,50- 

0,75 

 

0,75- 

1,00 

 

1,00- 

1,25 

 

1,25- 

1,50 

 

1,50- 

2,00 

 

2,00 u. 

mehr 

1991

1992

1993

1994

1995

10,2

9,8

11,2

11,4

11,9

26,0

26,6

25,9

26,4

26,2

24,2

24,7

24,5

24,0

24,7

17,1

17,1

16,0

15,8

14,9

9,6

9,4

9,5

9,3

10,0

8,5

8,0

7,9

7,6

7,4

4,5

4,4

4,9

5,4

4,9

neue Bundesländer

1991

1992

1993

1994

1995

4,2

6,3

6,2

8,3

8,0

19,8

19,0

21,1

17,6

21,4

34,0

32,9

29,7

31,5

28,1

22,8

21,9

22,3

21,1

20,5

10,9

10,8

11,4

11,1

11,6

5,9

6,8

6,5

7,8

8,1

2,3

2,1

2,8

2,7

2,3

 

  Es ist unschwer zu erkennen, daß die Ungleichheit in den alten Bundesländern größer ist als in den neuen. Der Anteil der relativ Einkommensarmen betrug in den alten Bundesländern im Jahr 1991 10,2 Prozent und stieg auf 11,9 Prozent im Jahr 1995, in den neuen Bundesländern betrug dieser Anteil nur 4,2 Prozent im Jahr 1991, hat sich aber bis zum Jahr 1995 fast verdoppelt (8.0 Prozent). Die Gruppe der Einkommensreichen, die mehr als das Doppelte des durchschnittlichen Nettoäquivalenzeinkommens verdienen, betrug in Westdeutschland im Jahr 1991 4,5 Prozent und stieg auf 4,9 Prozent im Jahr 1995. Für Ostdeutschland betragen die Werte 2,3 Prozent im Jahr 1991 und ebenso 2,3 Prozent im Jahr 1995.

  Als Ergebnis kann man festhalten, daß der Anstieg der Ungleichheit und insbesondere der Armutsquote der “Preis” für das starke Wachstum des durchschnittlichen Lebensstandards nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten gewesen ist.

  Wahrscheinlich wäre aber die Ungleichheit der Einkommensverteilung ohne die Transferzahlungen an die neuen Bundesländer größer.

  Aufschlußreich ist eine Statistik, die Aussagen über das verfügbare Einkommen je Haushaltsmitglied und ihrer Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen macht. Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung verfügten die Privathaushalte in Deutschland 1997 über ein durchschnittliches Einkommen von 61 680.- DM .  An der Spitze standen die Haushalte der Selbständigen einschließlich Landwirtschaft mit einem Einkommen von 177 840.- DM, davon müssen aber die Ausgaben für die private Altersvorsorge abgezogen werden.

  Sozialhilfeempfänger, die an der untersten Einkommensskala rangieren, verfügten über durchschnittlich 29 160.- DM.12)

  Wie hoch das durchschnittliche Haushaltseinkommen pro Kopf betrug (also umgelegt auf die Zahl der Haushaltsmitglieder), kann aus Tab. 3 entnommen werden.13)

  Die Lebenslagen der sozialen Gruppen in Deutschland unterscheiden sich danach doch beträchtlich.

 

Tab. 3 : Verfügbares Einkommen je Haushaltsmitglied in DM 1997

 

Selbständige (einschl. Landwirte)                   64 920.--

Pensionäre                                                  42 720.--

Beamte                                                        32 400.--

Angestellte                                                   29 640.--

Rentner                                                        27 000.--

Arbeiter                                                        20 520.--

Empfänger von Arbeitslosengeld und -hilfe     16 320.--

Sozialhilfeempfänger                                     12 120.--

 

 

2.  Die Vermögensverteilung in Deutschland

 

  Ergänzt werden Statistiken über Einkommensentwicklung und -verteilung mit Aussagen über die Verteilung der Vermögen. Augenfällig ist die starke Konzentration der Vermögen. So befindet sich knapp ein Drittel des gesamten privaten Netto-Geldvermögens in Westdeutschland in der Hand von lediglich 5,5 Prozent der Haushalte. Im Osten besitzen 10,8 Prozent der Haushalte ein Drittel des Geldvermögens.

Hier ist die Verteilung also etwas ausgewogener.14)

  Wie hoch das Einkommen ist, das dieses Vermögen abwirft und wer davon profitiert, können wir der Tab. 4 entnehmen.15)

 

Tab. 4: Geldvermögenseinkommen je Haushalt 1993 in DM

 

Haushalte von               Westdeutschland                Ostdeutschland

 

Selbständigen                    20 300.-                                2 980.-

Landwirten                          9 580.-                                 2 000.-

Pensionären                       6 480.-

Angestellten                        5 760.-                                 1 590.-

Beamten                             5 340.-                                 1 550.-

Rentnern                             5 170.-                                 1 320.-

Arbeitern                             3 440.-                                 1 320.-

Arbeitslosen                        1 360.-                                    470.-

 

 

  Das Immobilienvermögen ist ebenfalls ungleich verteilt. Etwa 5,8 Prozent der Haushalte im Westen besitzen 31,6 Prozent der Immobilien (Häuser, Wohnungen, Grundstücke).

  In Ostdeutschland nennen 2 Prozent der Haushalte 30,7 Prozent der Immobilien ihr eigen. Die Konzentration des Immobilienvermögens ist in den neuen Bundesländern also stärker ausgeprägt.16)

  Über die Verteilung des Gesamtvermögens der Deutschen gibt Tab. 5 Auskunft:17)

 

 

Tab. 5

 

Verteilung des Gesamtvermögens der Deutschen auf die privaten Haushalte (1993)

           Anteil in Prozent                     Vermögen in DM

 

                 46,0                              unter 100 000.--

                 24,7                              100 000.-- bis 250 000.--

                 12,0                              250 000.-- bis 350 000.--

                  8,3                              350 000.-- bis 500 000.--

                  3,9                              500 000.-- bis 750 000.--

                  2,4                              750 000.-- bis 1 Mio.

                  2,7                              über 1 Mio.

 

 

  Das Einkommen aus Vermögen verteilte sich in Gesamtdeutschland (West- und Ostdeutschland im Jahr 1996 wie folgt: 18)

 

Tab. 6:   Einkommen aus Immobilien-, Geld- und Aktienbesitz

          (im Durchschnitt pro Jahr, in DM) in Deutschland

 

          Selbständige           20 100.-

          Pensionäre              7 300.-

          Angestellte              5 500.-

          Beamte                    5 400.-

          Rentner                   4 800.-

          Arbeiter                    3 200.-

          Arbeitslose               1 100.-

 

 

  Zur Entwicklung der privaten Vermögenssituation seit Beginn der neunziger Jahre schreibt die Deutsche Bundesbank:  “Die neunziger Jahre sind in Deutschland durch größere Einschnitte in der Entwicklung der privaten Einkommen und Vermögen geprägt. Die privaten Haushalte sahen sich zunehmenden Belastungen ausgesetzt, die vor allem aus der erforderlichen Umstrukturierung der Wirtschaft in den neuen Bundesländern und den dringlichen Anpassungen an die weltwirtschaftlichen Herausforderungen resultierten. Die nach dem Ausklingen der vereinigungsbedingt kräftigen Expansion zunächst einsetzende Wachstumsverlangsamung sowie zunehmende Ungleichgewichte am Arbeitsmarkt haben ihre Spuren ebenso hinterlassen wie die enger gewordenen Verteilungsspielräume und die Notwendigkeit, die öffentlichen Haushalte auf Dauer zu konsolidieren.”19)

  In dem genannten Zeitraum ging die Sparfähigkeit und z.T. auch die Sparbereitschaft der privaten Haushalte zurück. Die private Sparquote20) betrug 1994 etwas über 14 Prozent und unterschritt 1997 die 12 %-Linie. Damit nahm “die Quelle, aus der sich der Vermögensaufbau speist, kontinuierlich ab.”21)  Ersparnismindernd wirkt sich die unterschiedliche Entwicklung der Einkommen aus. “So verloren vor allem durch den lang anhaltenden Beschäftigungsabbau die Arbeitseinkommen kontinuierlich an Bedeutung..... Daneben wirkte sich aus, daß durch den starken Zinsrückgang seit Herbst 1990.....  die Vermögenseinkommen nicht mehr im gleichen Maße wie zuvor als eigenständige Ersparnisstütze infrage kamen. Die Einkommen aus Unternehmertätigkeit expandierten kräftiger, so daß die Unternehmerhaushalte relativ höhere Ersparnisse bilden konnten. Die wachsende Arbeitslosigkeit hat vor allem in den neuen Bundesländern die Spartätigkeit erheblich beeinträchtigt.

  Nach dem Mikrozensus entfiel 1997 in Ostdeutschland fast die Hälfte aller Haushalte auf Arbeitslose und Rentner mit relativ geringer Sparleistung; 1991 hatte dieser Anteil - ebenso wie in Westdeutschland - zwei Fünftel betragen.”22)

  Zusammenfassend kann man in Deutschland von einer zunehmenden Konzentration der Vermögen ausgehen. Vor allem gibt es große Unterschiede in den Vermögenswerten des Immobilienbesitzes z.B. zwischen Arbeitnehmern und Selbständigen, eine sehr unterschiedliche Verteilung des durchschnittlichen Geldvermögens zwischen den sozialen Gruppen und ein deutliches Gefälle in den Vermögenswerten zwischen West- und Ostdeutschland.

 

3. Armutsbetroffenheit einzelner Gruppen

 

a) Armutsquoten ausgewählter Personengruppen in Deutschland

 

Zur Armutsbevölkerung nach dem Krieg bis in die 70er Jahre zählten dauerhaft marginalisierte Gruppen wie Obdachlose, Sozialhilfeempfänger, Gelegenheitsarbeiter, ausländische Mitbürger. Anfang der achziger Jahre veränderte sich das Armutsbild. Unter dem Stichwort der “neuen Armut” beobachtete man vermehrt Normalhaushalte, die in Armut gerieten. In den letzten Jahren hat sich diese Entwicklung in rasantem Tempo fortgesetzt.

Das Armutsrisiko reicht heute bis in die sozialen Mittelschichten hinein.

 

Tab. 7 gibt Auskunft über die Armutsquoten (Anteil der relativ Einkommensarmen an der jeweiligen Bevölkerungsgruppe) bestimmter Personengruppen in Westdeutschland.23)

 

Tab. 7

 

Armutsquoten ausgewählter Personengruppen in den alten Bundesländern 1991 - 1995 (in Prozent der jeweiligen Bevölkerungsgruppe)

Personengruppe

1991

1992

1993

1994

1995

Personen über 64

Jahre

- Männer

- Frauen

 

6,2 

8,9

 

8,5 

10,4 

 

9,5 

11.8 

 

9.5 

10,9 

 

 

5,6 

9,4 

Personen in Ehepaar-Haus-

halten mit mind. einem Kind

unter 17 Jahren

 

 

12,4 

 

 

10,7 

 

 

12,8 

 

 

11,7 

 

 

13,2 

Personen in Alleinerziehen-

denhaushalten mit mind.

einem Kind unter 17 Jahren

 

 

29,6 

 

 

26,7 

 

 

24,1 

 

 

28,9 

 

 

31,0 

Personen in Haushalten mit

mind. einem Arbeitslosen

 

27,8 

 

26,7 

 

36,2 

 

29,3 

 

34,1 

 

 

  Aufgeführt sind die Armutsquoten von älteren Menschen, von Personen in Ehepaar-Haushalten mit mindestens einem Kind unter 17 Jahren, von Personen in Alleinerziehendenhaushalten mit mindestens einem Kind unter 17 Jahren und von Personen in Haushalten mit mindestens einem Arbeitslosen. Nach der Tabelle weisen in den alten Bundesländern Personen in Haushalten von Arbeitslosen und Alleinerziehenden weit höhere Armutsquoten auf als die Gesamtbevölkerung. Auch Personen in Ehepaar-Haushalten mit Kindern liegen noch über der gesamtwirtschaftlichen Quote. Die Armutsquote der älteren Frauen ist höher als die der Männer über 64 Jahre. Außerdem läßt sich bei den Alleinerziehenden und Arbeitslosen eine deutlich steigende Tendenz der Armutsquote feststellen. Für das Jahr 1995 kann man festhalten, daß in den alten Bundesländern etwa ein Drittel aller Personen, die in Haushalten mit mindestens einem Arbeitslosen lebten, weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens zur Verfügung hatten. Bei den Alleinerziehenden ist die Situation nicht sehr viel besser. Etwas anders ist die Situation in den neuen Bundesländern. Hier liegt die Armutsquote der Alleinerziehenden über der der Arbeitslosen. Im Jahr 1995 mußten ein Fünftel der Personen in Arbeitslosenhaushalten und etwa ein Viertel der Personen in Alleinerziehendenhaushalten mit weniger als der Hälfte des durchschnittlichen Nettoäquivalenzeinkommens auskommen. Dabei muß beachtet werden, daß in den neuen Bundesländern das Durchschnittseinkommen um ca. 25 Prozent niedriger ist als das in den alten Bundesländern. Tab. 8 enthält die einzelnen Daten.24)  Unter den Personen über 64 Jahre gibt es aufgrund der günstigen Rentenumstellung nach der Wiedervereinigung nur sehr wenig Arme.

 

Tab. 8

 

Armutsquoten ausgewählter Personengruppen in den neuen Bundesländern 1991-1995 (in Prozent der jeweiligen Bevölkerungsgruppe)

 

Personengruppe

1991

1992

1993

1994

1995

Personen     in Ehepaar-Haus-

halten mit mind. einem

Kind unter 17 Jahren

 

  3,7 

 

  7,9 

 

  6,6 

 

 

11,1 

 

 

10,5 

Personen in Alleinerziehen-

denhaushalten mit mind.

einem Kind unter 17 Jahren

 

 

 

 

 

19,9 

 

 

30,0 

 

 

24,9 

 

 

27,2 

Personen in Haushalten mit

mind. einem Arbeitslosen

 

9,8 

 

 

14,4 

 

 

12,2 

 

 

18,1 

 

 

20,3 

 

 

  Unterteilt man die Bevölkerung nach Altersgruppen, so stellt sich heraus, daß Kinder und Jugendliche unter 17 Jahren in den alten und in den neuen Bundesländern die höchsten Armutsquoten aller Altersgruppen aufweisen.25)

Untersucht man die Armutsquote je Haushaltsgröße, so beträgt der Wert für 4-Personen-Haushalte im Westen 13 Prozent, im Osten 4 Prozent, der Werte für 5-Personen-Haushalte 27 bzw. 13 Prozent.26)  Es ist nicht überraschend, daß nahezu parallel mit den Haushaltsgrößen die Armutsquote steigt.

 

 

b) Gründe für die Zunahme der Armut

 

  Für die Zunahme der Armut wird in erster Linie die hohe Arbeitslosigkeit verantwortlich gemacht. Arbeitslose, d.h. Personen, die beim Arbeitsamt als arbeitslos gemeldet sind, weisen deutlich höhere Armutsrisiken auf als nicht arbeitslos gemeldete Personen.

  In Westdeutschland ist das Armutsrisiko der Arbeitslosen höher als in Ostdeutschland. Man muß aber beachten, daß durch das Auftreten von Arbeitslosigkeit die Bürger der neuen Bundesländer mit einer Form existenzieller Gefährdung konfrontiert wurden, die sie in der ehemaligen DDR nicht kannten.

  Vor allem die Struktur der Arbeitslosigkeit hinsichtlich benachteiligter Gruppen (Behinderte, ältere Arbeitnehmer, Arbeitslose ohne Berufsausbildung) bereitet Sorge. Fast die Hälfte der 2,93 Mio Arbeitslosen, die Ende September 1997 bei den westdeutschen Arbeitsämtern registriert waren, hatte keinen beruflich qualifizierenden Abschluß.

  Der Anteil der über 50jährigen an den Arbeitslosen lag in Westdeutschland bei 32 Prozent, in Ostdeutschland bei 30 Prozent. Unter den Arbeitslosen im Osten gibt es viele Frauen (58 %), aber auch beruflich qualifizierte Arbeitskräfte (79 %). Die Hartnäckigkeit des Problems Arbeitslosigkeit zeigt sich in der Quote der Langzeitarbeitslosen. Im Herbst 1997 waren ca. 36 Prozent der Arbeitslosen in den alten Bundesländern und 30 Prozent in den neuen Ländern schon länger als ein Jahr ohne Beschäftigung. Die steigende Zahl der Langzeitarbeitslosen ist besonders besorgniserregend.27)

  Vom “sozialen Risiko” der Armut sind vor allem auch große Familien und Alleinerziehende betroffen. Familien mit drei oder mehr Kindern gelten in Deutschland als kinderreich.

Mit der Zahl der Kinder erhöhen sich die Kosten für Ernährung, Kleidung, Wohnung, Versicherung, Urlaub usw. Die Möglichkeit, Rücklagen und Vermögen anzusparen, ist begrenzt. Die Kosten für ein Kind beliefen sich in Westdeutschland im Jahr 1993 pro Monat auf durchschnittlich 976.-- DM.28)  Familien mit Kindern sind gegenüber kinderlosen Lebensformen wirtschaftlich benachteiligt, wie die Zahlen der Tab. 9 bestätigen. 29)

 

Tab. 9

 

Einkommensunterschiede -

durchschnittliche Monatsverdienste 1997 in DM

 

                                              Single             Paar             Familie

Westdeutschland

 

- brutto                                    5 588              10 666           6 305

- netto (einschl.Kindergeld)       2 980               5 737           4 373

netto pro Kopf der Familie         2 980               2 869           1 093

 

Ostdeutschland

 

- brutto                                    4 124               8 342           4 745

- netto (einschl.Kindergeld)       2 376               4 795           3 688

netto pro Kopf der Familie         2 376               2 398             922

 

 

Das Armutsrisiko ist auch bei den Alleinerziehenden sehr hoch.

Ihre Zahl hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Das liegt zum einen an der steigenden Zahl der nichtehelichen Geburten, zum anderen an der gestiegenen Anzahl der Scheidungen. Oft lassen sich Geld verdienen und Kinder erziehen nicht miteinander vereinbaren. Die Situation der alleinerziehenden Mütter ist durchwegs schlechter als die der alleinerziehenden Väter. Die finanziellen Reserven dieser Personengruppen sind oft recht bescheiden.

  Seit Jahren rücken Kinder und Jugendliche in die Armutsgruppen vor. Wie bereits angesprochen, sind vor allem Arbeitslose von Armut betroffen, d.h. Personen im erwerbsfähigen Alter, also im Alter von ca. 20 bis 60 Jahren. Sie leben überwiegend in Familien, zusammen mit Kindern. Auch der Anteil von Alleinerziehenden hat in den letzten Jahren, wie bereits erwähnt, stark zugenommen. Diese Einelternfamilie leben zu über 40 Prozent in Armut. Auch die Armutsquote bei kinderreichen Familien ist überdurchschnittlich hoch.30) Das Statistische Bundesamt stellt in seinem Datenreport 1997 fest, daß in Westdeutschland 21,8 % der Kinder unter 15 Jahren im Jahre 1995 in Armut lebten, in Ostdeutschland waren es 19,7 Prozent.

  Die Auswirkungen sind besorgniserregend.  “Gerade bei Kindern und Jugendlichen führt die zunehmende Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich zu zahlreichen Anspannungen und Belastungen.”... Die “Auseinanderentwicklung der Lebensbedingungen der heranwachsenden Generation hat erhebliche Auswirkungen auf deren Wohlbefinden sowie Teilnahmemöglichkeiten und Lebenschancen der in Armut lebenden Kinder und Jugendlichen. Haben ältere Menschen noch den Vorteil, daß sie ihre Armutssituation verschweigen können, gilt das für jüngere Menschen meist nicht. Soziale Auffälligkeit, Angst vor Stigmatisierung, Leistungsstörungen, Abbruch sozialer Kontakte, Delinquenz, soziale Isolation und psychosomatische Störungen sind vielfach die Folge.”31)

 

4. Sozialhilfe ,  der staatliche Schutz vor Armut

 

  Die Sozialhilfeschwelle wird als “quasi-offizielle Armutsgrenze” bezeichnet. Sozialhilfebedürftig ist dann eine Person, wenn das Einkommen geringer ist als das im Bundessozialhilfegesetz (BSHG) definierte Existenzminimum. Nach der offiziellen Argumentation der ehemaligen Bundesregierung sind Personen, die Sozialhilfe beziehen, nicht mehr als arm zu bezeichnen.

  “Die Sozialhilfe bekämpft Armut, sie schafft sie nicht. Wer die ihm zustehenden Leistungen der Sozialhilfe in Anspruch nimmt, ist nicht mehr arm. Als arm können im Gegenteil Personen angesehen werden, die Anspruch auf Sozialhilfe haben, diesen Anspruch aber nicht geltend machen.”32)  Sozialhilfe ist die letzte finanzielle Hilfe des Staates in Notlagen. Sie ist von keiner Vorleistung des Betroffenen abhängig. Art. 20 GG gilt als gesetzliche Grundlage: Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.

  Sozialhilfeleistungen unterscheidet man in Hilfe zum Lebensunterhalt und Hilfe in besonderen Lebenslagen. Die Hilfe zum Lebensunterhalt kann aus einer laufenden Leistung (laufender Bedarf an Lebensmitteln, Kleidung, Unterkunft, Heizung usw.) oder aus einer einmaligen Leistung bestehen (z.B. Anschaffungen während einer Schwangerschaft, nach einem Diebstahl, nach einem Unglücksfall).

  Im Jahr 1997 waren ca. 2,9 Mio Menschen in Deutschland auf laufende Hilfe zum Lebensunterhalt angewiesen. Ca. 3,5 % der Bevölkerung und 4 % aller Haushalte bezogen Sozialhilfe. Immer mehr Menschen im erwerbsfähigen Alter sind heute auf Sozialhilfe angewiesen. Nach Angaben des Statistischen  Bundesamtes bezogen zum Jahresende 1997 ca. 1,1 Mio Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren Sozialhilfe. Von alleinerziehenden Müttern nahmen 28,3 % Sozialhilfe in Anspruch. Siehe Tab. 1033)

 

Tab. 10

 

Empfänger von laufender Hilfe zum Lebensunterhalt Ende 1997:

Sozialhilfeempfänger:                    in % der jeweiligen Bevölkerungsgruppe

- Kinder unter 18 Jahren                      6,8

- Alte Menschen (ab 70 J.)                  1,2

- Deutsche                                        3,0

-Ausländer                                        9,0

- Westdeutschland                            3,8

- Ostdeutschland                              2,5

 

Haushalte von Sozialhilfeempfängern:           in % der jeweiligen Haushalte

 

- Alleinstehende Männer                         5,6

- Alleinstehende Frauen                          4,4

- Ehepaare ohne Kinder                          0,9

- Alleinerziehende Frauen                      28,3

- Haushalte insgesamt                           4,0

 

 

  Das konkrete Mindesteinkommen in Form von Sozialhilfe orientiert sich am Existenzminimum, das gemäß Bundesverfassungsgericht steuerfrei sein muß. Folgende Beträge galten 1998:

Alleinstehend  615.- DM;

Alleinerziehend mit 1 Kind unter 7 Jahren  1 177.- DM;

Paar mit einem Kind   1 523.- DM;

Paar mit zwei Kindern   1 934.-;

zusätzlich Kosten für Wohnung und Heizung. 34)

 

 

Schlußbemerkung:

 

  Das  soziale Klima ist in Deutschland rauher und die soziale Absicherung für viele Menschen brüchiger geworden. Immer mehr Erwerbstätige werden die Erfahrung machen, daß das Risiko der Arbeitslosigkeit und der sozial ungesicherten Beschäftigung zunehmen und daß das Armutsrisiko steigt. “Mehr Menschen als heute werden in Armutsgefährdung leben, vielfach unzureichend mit den Wohlstandgütern des modernen Lebens ausgestattet sein und eine unzureichende soziale Absicherung haben.”35)

  Die Politik reagiert bereits auf diese Veränderungen. Das “Bündnis für Arbeit”, das “Sofortprogramm zum Abbau der Jugendarbeitslosigkeit”, die “Rente ab 60”, die Ökosteuer usw. sollen einer weiteren Spaltung der Gesellschaft entgegenwirken. Der Zwang zur Haushaltskonsolidierung und der stärker werdende Druck der verschiedenen Interessengruppen schränkt den Handlungsspielraum der Regierung viel zu stark ein, um diese Entwicklung aufhalten zu können.

 

 

Literaturverzeichnis:

 

Hauser,Richard:Die Entwicklung der Einkommensverteilung und der Einkommensarmut in den alten und                         neuen Bundesländern, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zur Wochenzeitung Das                         Parlament, 18/99, vom 30. 4. 1999

Hauser,Richard:Das empirische Bild der Armut in der Bundesrepublik Deutschland - Ein Überblick, in : Aus                         Politik und Zeitgeschichte, 31-32/95

Hauser,Richard:Armut, Armutsgefährdung und Armutsbekämpfung in der Bundesrepublik Deutschland, in:                         Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, Bd. 216, 1997

 

Hübinger,Werner:Prekärer Wohlstand; spaltet eine Wohlstandsschwelle die Gesellschaft? in:Aus Politik und                          Zeitgeschichte, 18/99

 

Neumann,Udo:Verdeckte Armut in der Bundesrepublik Deutschland, in: Aus Politik und Zeitgeschichte,                        18/99

 

Palentien, Christian/Klocke, Andreas/Hurrelmann, Klaus:Armut im Kinder- und Jugendalter, in:Aus Politik                                                             und Zeitgeschichte, 18/99

 

Informationsblatt “Zur Lage der Familie”, Metzler Aktuell im Schroedel Verlag, Mai 1999

 

Monatsbericht der Deutschen Bundesbank, Januar 1999

 

Politik Aktuell, Arbeitsmaterialien aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, Hrsg. G. Blaß u.a., Kaarst, 2. 10.          und 31. 10. 98

 

Der Staatsbürger, Beilage der Bayerischen Staatszeitung, Thema:Armut in Deutschland, München, August          1995, Nr. 8

 

Die Süddeutsche Zeitung vom 9. 12. 1995

 

Zahlenbilder, Erich Schmidt Verlag, 8/98 und 1/99

 

Die Zeit vom 14. 11. 97

 

 

<국 문 요 약>

 

 

복지국가 독일에서의 빈곤

 

                                                                                                                                                                           윤 기 황

                  


  빈곤은 한 국가의 복지 수준과 상대적으로 측정된다. 이 때에 가계 수입이 통상적으로 측량 막대로 쓰인다. 빈곤하다는 것은 평균치 가계 수입의 절반에도 못미치는 수입을 의미한다.

  독일연방공화국에서 빈곤과 빈곤의 위험이 걱정스러울 정도로 증가 추세를 보이고 있으며 최근에는 일부 중산층도 여기에 포함되고 있다. 주된 원인은 노동시장에서의 변화 때문이다.

  실업자의 수와 사회적 보장을 받지 못하는 취업들의 숫자가 늘어나고 있다. 특히 편부나 편모 슬하의 가정과 아희들이 많은 가정이 빈곤의 위기에 처해 있다.  이 것은 점 점 더 많은 아이들이 빈곤 속에 살고 있는 결과를 가져 온다.

  독일연방공화국은 자타가 공인하고 있는 민주적, 사회적 연방국가이다. 그러므로 국민들은 “사회적 보조”를 통하여 빈곤으로부터 보호를 받고 있다. 그러나 이러한 국가의 조치는 최저의 생계유지를 근간으로 하고 있다. 따라서 점차로 커져가는 독일의 빈곤 문제는 완화될 수는 있어도 문제의 근본적인 해결을 기대하기는 어렵다.