Beschränkte Rationalität - Eine nützliche Abkehr vom

nutzenmaximierenden Individuum?*

1)朴  英  秀**

 

 

 

I. Einleitung

 

"Die abstrakte Theorie meinte, sich auf psychologische Axiome stützen zu können, und die Folge war, daß die Historiker nach einer empirischen Psychologie riefen, um die Nichtgeltung jener Axiome beweisen und den Verlauf der wirtschaftlichen Vorgänge psychologisch ableiten zu können." (Weber, 1992, S. 232.)

 

  Hier hat Max Weber den Schlüssel für die Analyse des homo oeconomicus bereitgelegt und was er über die Historiker gesagt hat, gilt auch für die Ökonomen. Leider hat er die Analyse nicht selbst ausgeführt:

 

"Wir wollen nun an dieser Stelle den Glauben an die Bedeutung einer - erst zu schaffenden - systematischen Wissenschaft der >>Sozialpsychologie<< als künftiger Grundlage der Kulturwissenschaften, speziell der Sozialökonomik, nicht eingehend kritisieren." (a.a.O.)

 

  Der homo oeconomicus ist ein imperialistisches Wesen. Einst in den Wirtschafts- wissenschaften etabliert, hat er sich von dort aus aufgemacht, um als erfolgreiches Mittel der Analyse auch in der Soziologie und der Politikwissenschaft zu dienen. Simon will Erkenntnisse aus der Psychologie verwerten, um zu neuen Grundannahmen eines homo oeconomicus zu kommen, Lindenberg nimmt die Soziologie zu Hilfe, um ein allgemeines Modell des Menschen für die Sozialwissenschaften aufzustellen.1) Zu welchen unter- schiedlichen Modellen diese Ansätze geführt haben, soll Gegenstand dieses Aufsatzes sein. Da alle Modelle auf Annahmen über Information, Präferenzen und Rationalität basieren, hat man eine Klärung dieser Begriffe vor die Analyse der Modelle gestellt, Kirchgässner definiert die Ökonomik als den Versuch "menschliches Verhalten dadurch zu erklären, daß man unterstellt, daß sich die einzelnen Individuen 'rational' verhalten." (Kirchgässner, 1991, S.2.) Deswegen hat die "Rationalitätshypothese" eine zentrale Bedeutung:

 

"Die Funktion der Rationalitätshypothese im sozialwissenschaftlichen Modell entspricht genau jener von Gesetzmäßigkeiten in naturwissenschaftlichen Erklärungen." (Tietzel, 1981, S. 133.)

 

  Damit stellt es so etwas wie das sozialwissenschaftliche Kausalitätsprinzip dar. Mittels einer konstant angewandten Rationaltätshypothese lassen sich Handlungsalternativen aus Informationen und Zielen herleiten. Wird die Rationalitätshypothese in Frage gestellt - und dies geschieht zumindest teilweise im Simon'schen Ansatz der 'bounded rationality' - dann steht die Analyse menschlichen Handelns auf schwachen Füßen.2)

  Ganz andere, zentrale Annahmen im Modell des homo oeconomicus werden in nur sehr viel geringerem Maße in Frage gestellt: das Eigennutzaxiom(das Individuum verfolgt nur eigene, nicht aber fremde Präferenzen) und das 'mehr ist besser'-Axiom.

  Im Kapitel IV dient das traditionelle Modell des homo oeconomicus vor allem dazu, die kontrastierende Grundlage für den homo behavioristicus und den homo socio-oeconomicus zu bilden. Im Kapitel 'Theorie und Modell' versucht man den Charakter des Modells 'homo oeconomicus' an sich und seine Bedeutung für die ökonomische Theoriebildung darzustellen, um im abschließenden Kapitel zu einer sehr vorläufigen Bewertung zu gelangen.

 

 

Ⅱ. Probleme in den Grundannahmen der Modelle vom Menschen

in den Wirtschaftswissenschaften

 

  Jedes Modell beruht auf Prämissen und soll zu Schlußfolgerungen oder Voraussagen führen. Allen Modellen des homo oeconomicus sind gewisse Elemente gemeinsam, die, als Prämissen dienend, unterschiedlich ausgeformt sein können und zu dementsprechend unterschiedlichen Modellen führen. In diesem Kapitel möchte man diese Prämissen in ihren unterschiedlichen Ausformungen analysieren.

 

1. Entscheidungsgrundlage "Information"

 

  Grundlage jeder rationalen Entscheidung sind Informationen. Wie eminent wichtig dabei die Qualität und Quantität dieser Informationen ist, wird sich in Kapitel III bei der Diskussion um 'angemessene' Formen von Rationalität zeigen.

 

1.1. Qualität von Information: Situative und nomologische Information

 

  Situative Informationen heißen solche Daten, die nur in der spezifischen Entscheidungssituation relevant sind und die Restriktionen darstellen.(Tietzel,1981, S. 128.)3)

  Nomologische Information ist das Wissen von universellen, empirischen Gesetzmäßig- keiten, die es dem Entscheidungsträger(decision-maker) möglich machen, die Konsequenzen seines Handelns vorauszusagen. Aus nomologischer Information lassen sich die bekannten Möglichkeiten des Handels ermitteln.

  Nur situative und nomologische Informationen gemeinsam ermöglichen eine rationale Entscheidung.

 

1.2. Qualität von Information: Subjektive, objektive und vollständige Information

 

  Die quantitativen Kategorien der Information beziehen sich auf beide, situative wie nomologische, qualitative Kategorien der Information.

Subjektive Informationen sind solche, die dem Entscheidungsträger zum Zeitpunkt seiner Entscheidung bekannt sind.

  Objektive Information beinhaltet das gesamte bekannte Wissen zum Zeitpunkt der Entscheidung.

  Vollständige Information beinhaltet das bekannte und noch zu entdeckende Wissen - eine rein theoretische Definition von Information. Sie ist dennoch von Belang, weil sie eine zentrale Eigenschaft des traditionellen homo oeconomicus darstellt und Vorhersagen über das Handeln aus modellhafter Berechnung heraus vereinfacht, da subjektive Handlungserwartung und objektives Ereignis definitionsgemäß gleich sind. Die Problematik dynamischen Wissenserwerbs braucht nicht berücksichtigt zu werden: die Annahme vollständiger Information führt zu einem statischen Modell des homo oeconomicus.

  Treten vollständig informierte Akteure in Interaktion, kommt es zu einer unendlich repetitiven Antizipazion-dem "Morgenstern-Paradoxon"-und zu keiner rationalen Entschei- dung. Diese Situation kann nur durch eine willkürliche Entscheidung aufgelöst werden. Besitzen alle Akteure vollständige Information und perfekte Rationalität, ist die Handlung determiniert, noch bevor der Akteur sie in Betracht genommen hat. Unvollständige Information ist also ein konstituierendes Merkmal einer Entscheidung. (Tietzel, 1981, S. 126-128.; Schlicht, 1990, S. 708.)

 

1.3. Theorie der optimalen Information

 

  Die Theorie der optimalen Information geht ein in das moderne Modell des homo oeconomicus. Der Entscheidungsträger integrieret die beim Informationserwerb entstehenden Kosten und den Ertrag der Informationssuche in seine Nutzenfunktion. Er wendet solange Kosten für die Informationssuche auf, bis die Grenzkosten den Grenzerträgen gleich sind. Tietzel kritisiert diese Informations-Optimierungs-Konzept, da es gerade bei der Informationssuche tendenziell unsicher ist, welchen Ertrag sie erbringen wird. (Tietzel, 1981, S. 130.)4) Der optimale Aufwand für die Informationssuche läßt sich a priori nicht ermitteln. Daraus schließt Elster, daß eine rationale Entscheidung auf einer >>durch und durch subjektiven Einschätzung<< beruht.(Elster, 1987, S. 72.) Ähnlich geht Tietzel bei der Informationssuche - ganz im Sinne von H.A.Simon - nicht von Optimierung, sondern von Zufriedenheit als handlungsleitender Maxime aus. Simon kritisiert weiter an diesem Modell, daß es die Komplexität der bei der Entscheidung einzubeziehenden Tatsachen weiter erhöhe.(Simon, 1964, S. 485.)

 

2. Präferenzen

 

  Für die Bewertung von Rationalität einer Handlung ist die Unterscheidung von Präferenzen und Restriktionen(die durch die Informationen gegeben sind) essentiell.(Schlicht, 1990, S. 708)5) Präferenzen sind die in der Sozialisation entwickelten Wertvorstellungen. Sie sind von den Restriktionen unabhängig. Durch die Präferenzen werden die Handlungs- alternativen evaluiert.

  Die Unterschiedlichkeit von Präferenzen läßt sich feststellen, wenn bei gleichen Restriktionen Entscheidungsträger differente Handlungsalternativen wählen.(Kirchgässner, 1991, S. 13f. und S. 42f.)6)

2.1. Transitivität

 

  In der klassischen Ökonomie und im traditionellen Modell des homo oeconomicus wird von transitiven Präferenzen ausgegangen, weil es nur durch diese Annahme möglich ist, Nutzenfunktionen abzuleiten und mathematisch zu verwenden. Präferenzen sind transitiv, wenn aus "A ist größer als B" und "B ist größer als C" folgt: "A ist größer als C".(Meckling, 1976, S. 548.)

  Dies muß in der Realität nicht notwendigerweise so sein. Präferenzordnungen können unvollständig sein,

 

a) wenn zwei Optionen existieren, von denen der Handelnde weder eine bevorzugt, noch zwischen den beiden indifferent ist;

b) wenn eine Option aufgrund mangelnder Informationen (z.B. über die Handlungsfolgen) nicht bewertet werden kann;

c) wenn zwei Nutzenqualitäten nicht verglichen werden können.

 

  Daraus folgt nicht, daß unvollständige Präferenzen in sich irrational sind, aber sie beeinträchtigen die Rationalität von Entscheidungen.(Elster, 1987, S. 71f.)

 

2.2. Konstanz von Präferenzen

 

  Von den während der Sozialsituation erworbenen Präferenzen wird angenommen, daß sie erheblich konstanter sind als Restriktionen. Deshalb erklärt die Ökonomik geändertes (rationales) Verhalten durch geänderte Restriktionen. (Kirchgäßner, 1991, S. 25-27.)7)

Zu unbekannten Handlungsmöglichkeiten und Handlungskonsequenzen kann ein Individuum keine Präferenzen haben. Ändert ein Individuum nun aufgrund weiterer Informationen seine Ansicht über die (relative) Nützlichkeit einer Handlung, haben sich die Restriktionen verändert, nicht die Präferenzen. (Kirchgäßner, 1991, S. 39f.)

  Eine tatsächliche Änderung von Präferenzen erklärt Lindenberg mit dem Modell des >>frame switching<< (Bezugsrahmenwechsel): Aufgrund unvollständiger - nicht aber instabiler - Präferenzen oder unterschiedlich intensiven Bewußtseins von eigenen Zielen kann ein bisher verfolgtes Ziel plötzlich in den Hintergrund treten, so daß der Entscheidungsträger nun ein anderes, neues Ziel verfolgt. 8)

3. Entscheidung unter Unsicherheit

 

  Die einzig realistische Annahme über das Wissen des Menschen muß sein, daß er sich im Zustand "subjektiver Information" befindet, d.h. er kennt nur einen Teil der für die Entscheidung relevanten Daten. Unsicherheit besteht, wenn der Handelnde die Konsequenzen seines Handelns nicht berechnen kann oder er mit strategischen Interaktionen anderer Individuen rechnen muß.(Elster, 1987, S. 72f.)

Für diese Situationen wurden diverse rationale Strategien entwickelt, die im folgenden dargestellt werden sollen.

 

3.1. Die Theorie subjektiv erwarteten Nutzens (SEU-Theorie)

 

Die SEU-Theorie basiert auf folgenden Annahmen:

 

1. Der Akteur hat eine wohldefinierte Nutzenfunktion, d.h. er kann seine Präferenzen kardinal ordnen.

2. Es gibt wohldefinierte Alternativen, Sequenzen von Alternativen oder Wahlstrategien.

3. Der Entscheidungsträger kann allen zukünftigen Ereigniskonstellationen eine in sich stimmige gemeinsame Möglichkeitsverteilung zuordnen.

4. Der Entscheidende wählt die Alternative oder Strategie, von der er den höchsten Nutzen erwartet.

 

  Simon kritisiert, daß diese Theorie von den Menschen nicht anwendbar sei, weil sie ihr Wissen und ihre Berechnungskapazitäten überschätze. Tatsächlich haben auch Versuche gezeigt, daß die Probanden ungeeignete Lösungen vorschlugen, sobald die Probleme nicht mehr hinreichend einfach und transparent waren. Zudem versuche diese Theorie inhaltliche Voraussagen zu treffen, ohne auf den tatsächlichen Entscheidungsprozeß zu reflektieren.(Simon, 1976, S. 429.; ders., 1979, S. 487f.; ders., 1983, S. 12f.)

 

3.2. Spieltheorie

 

Game theory is "concerned with discovering the course of action in a particular situation that will optimize the attainment of some objektive pay-off." (Simon, 1956, S. 269.)

 

  Spieltheorie beschäftigt sich mit Ungewißheit bei strategischen Interaktionen. Allerdings konnte es ihr nicht gelingen, für alle Spiel-Situationen tatsächlich optimierende Handlungs- strategien zu finden. Das Gefangenen-Dilemma ist dafür wohl das berühmteste Beispiel. Allerdings ermöglicht es die Spieltheorie den Entscheidungsträgern, Situationen richtig einzuschätzen und dann eine Handlung und Strategie zu wählen, die ihrer Risikobereitschaft entspricht. Dies garantiert nicht unbedingt pareto-optimale Lösungen. Simon interpretiert dieses Forschungsergebnis so, daß ein Kriterium für Rationalität nicht definiert werden kann. Weil es eben nicht möglich ist, Handlungsfolgen und zukünftige Ereignisse mit Sicherheit vorauszusagen, bedürfte es nicht substantiell-maximierender, sondern prozedural-zufriedenstellender Rationalität.

  Wie wir gesehen haben, lassen sich Unsicherheit und Informationsdefizite nicht einfach durch rationale Theorien und Strategien wegdefinieren. Deshalb faßt Elster zusammen:

 

 "The pervasive uncertainty in human affair is the fundamental reason, why rationality may be a weak guide to action." (Elster, 1987, S. 73.)

 

 

Ⅲ. Wege zu rationalem Handeln

 

  Information(=Restriktion), Präferenz und Unsicherheit sind die bestimmenden Faktoren für rationale, irrationale und intuitive Entscheidungen. Tietzel unterscheidet drei Anwendungsmodi des Begriffes der Rationalität:(Tietzel, 1981, S. 119.)

 

1. Die als Leerformel enttarnte Behauptung Ludger van Mises, daß alle menschlichen Handlungen rational seien. Diese Aussage läßt sich zwar verifizieren, aber aus ihr läßt sich nichts weiter ableiten. Sie ist deshalb unbrauchbar.

2. Rationalität als normatives Prinzip: der Mensch soll rational handeln. Dagegen läßt sich einwenden, daß Rationalität nicht an sich sinnvoll ist, sondern nur als Instrument für Zwecke.9) Dieser instrumentelle Charakter der Rationalität ist eines ihrer Hauptmerkmale und sollte als Frage stets im analytischen Bewußtsein bleiben: Wozu dient hier die Rationalität ?

3. Rationalität als empirisches Prinzip oder Kategorie menschlichen Handelns: Welche menschlichen Handlungen können wir als rational bezeichnen ? Welche Bedingungen müssen im Bezug auf Restriktion, Präferenz und Unsicherheit gegeben sein ? Um diese Fragen kann es in diesem Kapitel allein gehen.

 

1. Definition der Rationalität

 

Elster definiert Rationalität wie folgt:

 

 "..a rational action demands

1) that there exist an action, which is optimal in the light of the beliefs and the desires of the agent,

2) that there exist a belief, which is optimal in the light of the evidence available to him and

3) that there exist an amount of evidence which is optimal for him to collect in the light of his desires.

 

If one or more of these conditions fail, the concept of rationality is to some extent indeterminate."(Elster, 1987, S. 71.)10)

 

  Diese Definition is insofern bemerkenswert, weil sie nicht nur unter 1) die nutzenmaximierende Wahl aufgrund von (vollständigen und transitiven) Präferenzen und Restriktionen enthält (Problem der Rationalität), sondern auch in 2) das Verhältnis von Annahmen (über die Handlungskonsequenzen) und Entscheidungsgrundlagen, d.h. die aktuelle Verknüpfung von situativer und nomologischer Information, berücksichtigt (Problem der Berechnungsfähigkeit) und in 3) das Problem der Informationsbeschaffung in Relation zu den Präferenzen (nicht aber dem Nutzen) in Betracht zieht (Problem der optimalen Information). Dies ist die umfassendste und problemorientierste Definition der Rationalität.

 

2. Kategorien der Rationalität

 

2.1. Formale, prozedurale und substantielle Rationalität

 

"Behavior is procedural rational, when it is the outcome of appropriate deliberation." (Simon, 1976, S. 426.)

 

  Diese Aussage Simons darf als Leerformel bezeichnet werden, zumal er sie im folgenden nicht weiter konkretisiert, sondern allein auf einen "kognitiven Prozeß", "Berechnungseffektivität" und Entscheidungen unter Unsicherheit reflektiert. Der Begriff der "angemessenen Überlegung" läßt sich nicht operationalisieren. Wie schon bei der Theorie der optimalen Information läßt sich die Angemessenheit der Überlegung nicht a priori feststellen. Allein die subjektive Dimension der 'Zufriedenheit' hülfe hier weiter. Das Konzept der prozeduralen Rationalität hat allerdings um so mehr Bedeutung, je größer die Unsicherheit ist, unter der die Entscheidung getroffen werden muß.

  Schlicht kritisiert den Begriff der prozeduralen Rationalität, weil dieser Begriff normativ ausgerichtet sei auf Lernprozesse und Problemlösungen. Lernprozesse und Problemlösungen könnten aber auch durch Emotionen und ästhetische Urteile(als Mittel der Entscheidung) erleichtert werden. Diese Urteile aber enthalten offensichtlich nicht-rationale Qualitäten. Können aber nicht-rationale Qualitäten durch den Begriff der prozeduralen Rationalität umfaßt werden ? (Schlicht, 1990, S. 711.)

Anders faßt Tietzel den Begriff der "formalen Rationalität":

 

"Eine Handlung nennen wir dann formal rational, wenn sie bei Kenntnis der Ziele, der Mittel und der Umwelt des Aktors vorhersehbar, zu erwarten, war ... Formale Rationalität bezieht sich auf die Art und Weise, in der ein Aktor Entscheidungen trifft." (Tietzel, 1981, S. 121.)

 

  Prozedurale und formale Rationalität beziehen sich beide auf "die Art und Weise, in der ein Aktor Entscheidungen trifft." Ihr Maßstab ist jedoch ein anderer: Während sich die prozedurale Rationalität nur auf den Denkprozeß als solchen bezieht, handelt es sich bei der formalen Rationalität um einen (vielleicht logischen, vielleicht auch nur plausiblen) Prozeß der Vermittlung zwischen einem Ziel und einer auf dieses Ziel gerichteten Handlung, wobei diese Handlung die besondere Qualität der Vorhersehbarkeit besitzt, d.h. ein außenstehender Beobachter hätte unter den gegebenen Restriktionen und bei gleichem Wissen die gleiche Entscheidung getroffen. Dies impliziert aber noch eine weitere Qualität dieser Handlung: Gibt es nämlich unter den gegebenen Umständen mehrere Handlungs- alternativen, die das Handlungsziel erreichen, so ist die gewählte Handlung allen anderen (vielleicht aufgrund ihrer Einfachheit oder anderer Merkmale) vorzuziehen.11)

  Bei Tietzel ist die substantielle Rationalität ein Unterfall der formalen Rationalität, die der Bedingung genügt, sich auf ein inhaltlich bestimmtes Ziel festzulegen. Die Definition Simons unterscheidet sich abgesehen vom Kriterium der Vorhersehbarkeit davon nicht. (Tietzel, 1981, S. 122.)12)

 

2.2. Objektive und subjektive Rationalität

 

  Die Kategorien der objektiven und subjektiven Rationalität beziehen sich auf den Standpunkt des Beobachters. (Simon, 1956, S. 273.)

  Subjektive Rationalität besteht, wenn eine Handlung des Akteurs (mit dem ihm zum Zeitpunkt der Entscheidung bekannten Wissen) aus seiner Sicht als (formal oder substantiell) rational zu bezeichnen ist.

  Objektive Rationalität liegt vor, wenn ein außenstehender Beobachter mit objektiver Information die Handlung des Akteurs als rational bezeichnet.

Marris verdeutlicht den Begriff mit einem Zitat von Boudon:

 

"Subjective rationality is the product of the discordance between the complexity of the world and the cognitive capacities of the subject." (Raymond Boudon, Subjective Rationality and the Explanation of Social Behavior, S. 125-126.; in: Simon, 1982.)

 

3. Wege zur Rationalität

 

3.1. Rational Choice

 

  Die 'Rational Choice'-Theorie basiert auf der Defonition von substantieller Rationalität und setzt folgendes voraus: (Elster, 1987, S. 68.; Simon, 1955, S. 102.; ders.,1979, S. 481.)

 

1. Das Individuum weiß um die Restriktionen und Handlungsalternativen seiner Entschei- dungssituation.

2. Es besitzt die Fähigkeit, die Handlungskonsequenzen zu berechnen.

3. Es besitzt bei Entscheidungen unter Unsicherheit die Fähigkeit, die Wahrscheinlichkeit der Handlungskonsequenzen einzuschätzen.

4. Es kann die Handlungskonsequenzen nach Nutzen ordnen.

 

  Unter diesen Bedingungen hat die 'Rational Choice'-Theorie verschiedene rationale Entscheidungsstrategien entworfen, die das Individuum je nach seiner Risikobereitschaft wählen kann: (Simon, 1955, S. 103.)

 

1. Die Maxi-Min-Regel

  Der Entscheidungsträger nimmt an, er erhalte immer das schlechteste Ergebnis einer Handlungsalternative. Er wählte nun die Handlungsalternative, die zum besten 'schlechtesten' Ergebnis führt.

 

2. Die Wahrscheinlichkeits-Regel

  Das Individuum wählt diejenige Handlungsalternative, deren Nutzen bei größter Wahrscheinlichkeit am größten ist.

 

3. Die Sicherheits-Regel

  Diese Regel geht davon aus, daß es zu jeder Handlungsalternative ein bestimmtes Ergebnis gibt. Das Individuum wählt nun die Alternative mit dem größten Nutzen.

Allerdings garantiert nur die Sicherheits-regel ein optimales Ergebnis.

 

3.2. Versuch und Irrtum

 

  Die Verbesserung oder Optimierung menschlichen Handels muß nicht das Ergebnis direkter rationaler Überlegung sein, sondern kann auch über das Verfahren von 'Versuch und Irrtum' oder sogar den Zufall entdeckt werden. Diese Erfahrungen mögen einen Lernprozeß initiieren, in dem dann auch die Frage auftaucht, warum gerade dieses Ergebnis optimal sei. Daran können sich erklärende Theorien anschließen. Dieses Verfahren mag zumindest für die Erfahrungswissenschaften anwendbar sein, zu denen auch die Ökonomie gehört. (Schlicht,1990, S. 710.)

 

3.3. 'Adversary Proceeding'

 

  Uner dem Begriff des 'Adversary Proceeding' versteht Simon einen Entscheidungsprozeß (ähnlich dem des Gerichtsverfahrens, angewandt aber auch im Gesetzgebungsprozeß), der hauptsächlich auf Verfahrensgerechtigkeit beruht und dessen Ergebnis wiederum nicht als optimal, sondern als zufriedenstellend angesehen werden kann. In diesem Prozeß brauchen die Beteiligten (aufgrund von Externalitäten sollten die Bestimungen, die die Beteiligung regeln, nicht zu eng gefaßt sein) zuerst nur ihre eigene Position zu kennen, die sie dann im Forum einbringen. Dadurch werden die Anforderungen bezüglich komplexen Wissens der Einzelnen gesenkt. Nach Anhörung der Beteiligten wird dann aufgrund einer festgelegten Regel entschieden. (Simon, 1983, S. 90f.)

 

3.4. Rationalität und Irrtum

 

  Ausgehend von der Beobachtung, daß viele erfolgreiche Entscheidungen auf Intuition beruhen, postuliert Simon, daß auch Intuition zu rationalen Entscheidungen führt. Intuition wird dabei als ein Denken verstanden, daß vom analytischen Denken radikal verschieden ist. Intuition wird von Simon als rascher Einfall oder ein Urteil verstanden, das auf Wiederkennung spezifischer Merkmale, auf einem Stimulus beruht. Voraussetzung dafür ist aber die intensive Beschäftigung mit dem Gegenstand der Entscheidung. Simon definiert Intuition als plötzliche Wiedererkennung bekannter Muster ("sudden recognition of familiar patterns"). (Simon, 1983, S. 23-28.)

 

3.5. Rationalität und Evolution

 

  Ganz im Gegensatz zu seinen sonstigen Theorie-Ansätzen geht Simon hier vom Ergebnis eines Prozesses aus, das als rational bezeichnet werden kann. Die Evolutionstheorie geht davon aus, daß nur diejenige Spezie überlebt, die sich so verhält, als sei sie rational und habe sich dieses rationale Verhalten mit der Zeit angeeignet.

 

"The evolutionary model is a de facto model of rationality; it implies that only those organisms that adapt, that behave as if they were rational, will survive."(Simon, 1983, S. 35.)

 

  Wie sich die Organismen diese Fähigkeit aneignen, ist zunächst von sekundärer Bedeutung. Dies ist natürlich nicht ganz befriedigend:

"Even if we knew, or believed, that only those survived, who acted as if they were making rational calculations, we could still wonder just what the survivors did to survive. (Simon, 1983, S. 39.)

 

  In der Enolutionstheorie gibt es zwei Mechanismen , auf denen Fortschritt beruhen kann: Variation und Selektion. Diesen Mechanismen entspricht in der Behaviorismus-Theorie die Generierung von Alternativen. In der Anwendung der neuen Möglichkeiten entscheidet sich dann der Erfolg der Handlung. Allerdings garantiert dieses Verfahren, behavioristisch oder evolutionistisch gedacht, nicht notwendigerweise ein optimales Ergebnis, auch wenn beide Theorien davon ausgehen, daß sich die Organismen an die jeweilige Situation anpassen.

  Die Evolutionstheorie versagt in jedem Fall dann, wenn schon ein einziger Fehler in der Auswahl der Handlungsalternativen zur Vernichtung der Organismen führt (man denke nur an die Atombombe). Eine statistische Auslese nach dem Prinzip des 'survival of the fittest' kann dann stattfinden. (Simon, 1983, S. 35-43.)

 

 

Ⅳ. Typologie der Modelle vom Menschen

 

1. homo oeconomicus traditionalis

 

  Der homo oeconomicus ist das einheitliche Modell der logisch und rational orientierten Ökonomie. In diesem Modell steht der einzelne Mensch im Mittelpunkt der Betrachtung, aber nicht als Individuum mit seinem spezifischen Eigenheiten(das wäre der Ansatz der Psychologie), sondern als Idealtypus, einer theoretischen Konstruktion deren Archetyp er sein soll.(Hennis, 1987, S. 136.) In einer Situation der Knappheit kann er nicht alle Bedürfnisse gleichzeitig befriedigen, sondern muß unter den Handlungsalternativen eine rationale Auswahl treffen.

 

  Ganz "klassisch" hat ihn Max Weber wie folgt beschreiben:

 

  Zu diesem Zweck (um die 'elementarsten Lebensphänomene des wirtschaftlich voll erzogenen Menschen zu ermitteln') legt sie ein construiertes >>Wirtschaftssubjekt<< zu Grund bezüglich dessen sie im Gegensatz zum empirischen Menschen

 

a. alle nicht spezifisch wirtschaftlichen, d.h. der Vorsorge für die materiellen Bedürfnisse entspringenden Motive, welche auf den empirischen Menschen Einfluß üben, als nicht vorhanden behandelt - ignoriert;

b. bestimmte, dem empirischen Menschen, nicht oder unvollkommen anhaftende Qualitäten als vorhanden fingiert, nämlich:

 

  vollkommene Einsicht in die jeweilige Situation - wirtschaftliche Allwissenheit:

ausnahmslose Ergreifung des für den jeweiligen Zweck geeignetsten Mittels - absolute >>Wirtschaftlichkeit<<;

  vollkommene Verwendung der eigenen Kräfte im Dienste der wirtschaftlichen Güterversorgung - >>trägheitslosen Erwerbstrieb<<.

  Sie argumentiert also an einen unrealistischen Menschen, analog einer mathematischen Idealfigur.

 

  Etwas moderner ausgedrückt, sind folgende die entscheidenden Elemente des homo oeconomicus: (Kirchgässner, 1991, S. 15/31.; Lindenberg, 1990, S. 728.; Meckling, 1976, S. 548f.; Simon, 1955, S. 99.; Viale, 1992, S. 174.)

 

1. Vollständige und transitive Präferenzen;

2. Trennung zwischen Präferenzen und Restriktionen;

3. Allwissenheit;

4. Nutzenmaximierung und

5. Beeinflußbarkeit des Verhaltens durch veränderte Umweltbedingungen.

 

  Allerdings geriet im Verlauf der Wissenschaftsgeschichte manchesmal in Vergessenheit, daß es sich beim homo oeconomicus um ein Modell handelt, daß um eines spezifischen Erkenntnisinteresses konstruiert worden ist. Besonders seine realitätsfernen Annahmen forderten zum Widerspruch heraus und zur Bildung eines 'realistischen' Modells:

 

2. Homo Behavioristicus

 

2.1. Das Forchungsprogramm H.A.Simons

 

  Simon sieht seine Aufgabe darin, die auf der Annahme vollständiger Information und Rationalität beruhende klassische ökonomische Theorie durch eine behavioristische Theorie zu ersetzen, die auch Zugangsmöglichkeiten zu Informationen und die Berechnungs- fähigkeiten der Menschen berücksichtigt und so zu einer realistischen Theorie menschlicher Handlungen und Entscheidungen führt.

  Besondere Berücksichtigung soll dabei das Verhalten von Organisationen finden, das er durch den Unterschied zwischen den Annahmen des klassischen Modells und den empirischen Befunden erklären will. Mit diesem Ziel - das Verhalten von Organisationen zu erklären - geht Simon über das Erkenntnisinteresse der klassischen ökonomischen Theorie hinaus. Diese hatte sich lediglich mit dem Handeln des Einzelnen als Typus und den unintendierten sozialen Folgen beschäftigt, die aus der Aggregation individuellen Verhaltens resultieren.

  Durch die empirisch-realistischen Forschungen auf dem Gebiet der Entscheidungsfindung hofft Simon auch Vorschläge für die Gestaltung von Rechnern und die Entwicklung von künstlicher Intelligenz geben zu können.(Simon, 1955, S. 95/114)

 

2.2. Die Grundannahmen bezüglich des homo behavioristicus

 

1. Die Präferenzen des homo behavioristicus können unvollständig und/oder ungeordnet sein.

2. Auch für den homo behavioristicus besteht eine Trennung zwischen Präferenzen und Restriktionen.

3. Der homo behavioristicus ist kein Nutzenmaximierer, sondern er strebt 'Zufriedenheit' an.

4. Der homo behavioristicus muß nicht alle für die Entscheidung relevanten Daten kennen. Die Handlungsalternativen stehen nicht von vorneherein fest, etwa weil sie durch die Restriktionen definiert seien, sondern sie müssen erst noch herausgefunden werden. Auch können die Handlungskonsequenzen nicht immer (vollständig) vorhergesagt werden.

5. Das Verhalten des homo behavioristicus ist durch veränderte Umweltbedingungen beeinflußbar. Die Umwelt des homo behavioristicus ist durch Unsicherheit geprägt. (Simon, 1979, S. 477/482.)

 

  Insgesamt also sind die Grundannahmen für den homo behavioristicus weniger abstrakt, streng und formal definiert - erscheinen sie dem menschlichen Handeln angepaßt und angemessen. Der homo behavioristicus ist ein Mensch mit beschränkten Fähigkeiten, der nicht gleich immer weiß, was er zu tun hat, um eine optimale, gute Entscheidung zu treffen. Sein Wissen und seine Fähigkeit, dieses Wissen in die Entscheidung einzubringen, sind begrenzt. Dies ist Simons Konzept der 'bounded rationality', der beschränkten rationalität. Daraus ergeben sich verschiedene Verhaltensannahmen.

 

2.3. Die Welt des homo behavioristicus

 

  Simon geht davon aus, daß Entscheidungen situationsgebunden und von anderen Entscheidungen relativ unabhängig sind. Entscheidungen werden nach Simon unter Berücksichtigung von wenigen relevanten Variablen und unter sich ändernder Aufmerksamkeit für Probleme getroffen. Simon konsruiert dabei eine Hierarchie von Entscheidungsebenen. So wird zum Beispiel die Entscheidung, ob sich jemand ein Auto kauft, unter ganz anderen Bedingungen stehen, als die Entscheidung, welches Auto gekauft wird. Dies reduziert die Komplexität von Entscheidungen.13)

  Es müssen also nicht alle Entscheidungen gleichzeitig und unter gegenseitiger Berücksichtigung getroffen werden, sondern es besteht die Möglichkeit serieller Problemlösung und Informationsbeschaffung. In welcher Reihenfolge die Probleme gelöst werden, hängt von der Aufmerksamkeit für das jeweilige Problem ab, die - nach Simon - oft genug durch Emotionen hervorgerufen wird (z.B. Hunger, Bedürfnis nach sozialer Anerkennung, etc.). Diese Problemlösungsstrategie garantiert weder optimale Ergebnisse noch in sich stimmige Entscheidungen. (Simon, 1983, S. 17-23.)14)

 

2.4. Zufriedenheit und Erwartungshorizont (aspiration level)

 

  Simon betont, daß nur solche Problemlösungsstrategien hilfreich sind, die die Komplexität der Situation so weit reduzieren, daß das Problem lösbar und berechenbar wird. Dies ist entweder möglich durch Vereinfachung von Annahmen über die Situation , für die sich dann optimale Lösungen finden lassen, oder durch die Suche nach zufriedenstellenden, wenn auch suboptimalen Lösungen für eine realistischer definierte Situation. Simon bevorzugt diesen zweiten Ansatz. (Simon, 1976, s. 435.; ders., 1979, S. 479.)

  Im Gegensatz zu den globalen Modellen der 'Rational-Choice'- Theorie, in der alle Alternativen vor der Entscheidung bewertet werden, geht Simon in seiner Theorie von einer sequentiellen Abfolge von Entscheidungen aus, so daß die erste zufriedenstellenden Handlungsalternativen gewählt wird:

 

"When alternatives are examined sequentially, we may regard the first satisfactory alternative that is evaluated as such the one actually selected."(Simon, 1955, S. 110.)

 

  Welche Alternative ist nun zufriedenstellend ?

  Der Entscheidungsträger stellt zuerst (nach seinem Vorwissen und seinen Präferenzen) Kriterien für ein Ergebnis auf, das ihn befriedigen würde. In einem zweiten Schritt sucht er nach Ergebnissen, die diese Kriterien erfüllen und im dritten Schritt sucht15) er nach einer Handlungsstrategie, die das gewünschte Ergebnis erbringt. Die 'Kriterien für ein Ergebnis' kann man auch Erwartungshorizont nennen. Sie bestimmen, ob ein Ergebnis als zufriedenstellend - oder eben nicht zufriedenstellend - bewertet wird. Das spezifische Niveau eines Erwartungshorizontes kann nun dazu führen, daß es kein Ergebnis gibt - oder auch mehrere -, das den Kriterien gerecht wird. Dies stellt das Individuum mit mehr oder weniger großer Wahrscheinlichkeit unter Einschätzung seiner eigenen Unwissenheit und dem möglichen Erfolg seiner Suchstrategie fest. Die Differenz zwischen der Erwartung und dem in der Realität (gemäß den Restriktionen) gegebenen Ergebnis kann nun dazu führen, daß das Individuum seinen Erwartungshorizont korrigiert: Er sinkt, wenn zufriedenstellende Ergebnisse schwer erreichbar sind und er steigt, wenn die Ergebnisse leicht erreichbar sind. Die Geschwindigkeit der 'Erwartungshorizontänderung' kann in Relation zu den Kosten der Informationsbeschaffung stehen. Durch diesen Mechanismus entsteht die Tendenz zur Ausbildung eines Erwartungshorizontes, zu dem es nur ein einziges zufriedenstellendes Ergebnis gibt.

  Da es unter diesen Bedingungen nur eine zufriedenstellende Lösung gibt, müßte auch Simons Entscheidungsstrategie, wie in der klassischen Ökonomie, zu einer subjektiv optimalen Lösung führen, in der die Informations- und Transaktionskosten berücksichtigt sind, allerdings ohne diese bestimmen zu müssen. Ursache hierfür ist die konstante Berücksichtigung des Erwartungshorizontes in der Evaluierung der Handlungsalternativen.

Das Bestehen eines jeweils aktuellen Erwartungshorizontes macht es nun möglich, verschiedene Handlungsalternativen nacheinander bewerten zu können und nicht gleichzeitig bewerten zu müssen.

  Eine so gestaltete Entscheidungsfindung könnte dann auch den (in Abschnitt III.2.1. kritisierten) Begriff der prozeduralen Rationalität füllen. Neben der Veränderung des Erwartungshorizontes kann auch die Erweiterung der Handlungsalternativen im Verlauf des Informationsbeschaffungsprozesses zu einer zufriedenstellenden Lösung führen. (Simon, 1955, S. 105-112.)

  Besondere Bedeutung gewinnt die Idee der prozeduralen Rationalität bei dynamischen Entscheidungen, also solchen Entscheidungen, bei denen das Individuum das eigentliche Ziel seiner Handlung noch nicht erkennen oder operationalisieren kann. Nach der Handlungsmaxime der Zufriedenheit können nun sequentielle Entscheidungen getroffen werden, bei denen jedesmal die Erfahrung der vorangegangenen Entscheidung in die noch zu treffenden Entscheidungen eingebracht werden kann und bei der durch die Änderung des Erwartungshorizontes die Zielerwartung bis zur Erreichung moduliert werden kann. Durch diese Entscheidungsstrategie wird die Komplexität der Entscheidung so weit reduziert, daß sie handhabbar wird. (Simon, 1955, S. 113.)

  Nach Simons Meinung ist ein Individuum um so rationaler, als es nicht den Erwartungshorizont den Restriktionen anpaßt, sondern die Handlungsmöglichkeiten so erweitert, daß die Erwartungen erfüllt werden, wenn auch außer Frage steht, daß die Anpassung des Erwartungshorizontes selbst ein rationaler Vorgang sein kann.(Simon, 1955, S. 112.) An dieser Aussage ist bemerkenswert, daß nun nicht mehr scharf zwischen rationalem und irrationalem Verhalten unterschieden wird, sondern daß es verschiedene Grade von rationalem Verhalten gibt.

 

2.5. Beispiele

 

  Die Handlungsmaxime der Zufriedenheit gewinnt immer dann an Bedeutung, wenn eine Situation unvollständiger Information vorliegt. Bei unvollständiger Information kann z.B. der Käufer eines Produktes nicht vollständig abschätzen, welche Leistungen er vom Produkt erwarten kann bzw. welchen Nutzen er aus dem Kauf ziehen wird. Der Verkäufer dagegen kann seinen Nutzen aus dem Verkauf (als Gewinn) genau berechnen. Eine ähnliche Situation 'asymmetrischer Information' findet sich immer wieder im Beschäftigungs- verhältnis. Der Bewerber kennt zumeist die Arbeitsverhältnisse in der Unternehmung nur teilweise und der Arbeitgeber kann nur ungefähr die Fähigkeiten und das zukünftige Verhalten des Bewerbers abschätzen. Beide können also nicht eine mit Sicherheit maximierende Handlungsalternative wählen. Die Akteure können nur im vorhinein Kriterien festlegen, deren Erfüllung für sie zu zufriedenstellenden Ergebnissen führen.(Kirchgässner, 1991, S. 72-76.)

 

3. Homo socio-oeconomicus: RREEMM

 

  Im homo socio-oeconomicus versucht Lindenberg einen Modellmenschen zu entwerfen, der sowohl den Bedürfnissen nach theoriegeleiteter Forschung als auch nach realistischen Grundannahmen gerecht werden soll. (Lindenberg, 1990, S. 728.) Dabei baut er auf dem traditionellen Modell des homo oeconomicus auf, ohne ihm Allwissenheit und perfekte Rationalität zu unterstellen.(Tietzel, 1981, S. 125.)

  Der homo socio-oeconomicus hat sechs Eigenschaften. Er wird

 

Resourceful

Restricted

Expecting

Evaluating

Maximizing

Man

 

  genannt und soll durch den Einsatz von 'bridge assumptions' und der Methode der abnehmenden Abstrahierung Erkenntnisse der Soziologie für die Ökonomie fruchtbar machen.

  Lindenberg geht aus von einem Modellmenschen mit universellen, d.h. allen Menschen eigenen Präferenzen wie Wohlgehen und soziale Anerkennung. Der Mensch wird nun nicht mehr als frei wählender Konsument verstanden, sondern als ein seinen Nutzen im Sinne der universellen Präferenzen erhöhender Produzent. Die Nutzen-Produktions-Funktion - in ihrer methodischen Funktion als 'bridge assumption' - kann nun nach den Merkmalen des Produzenten oder eine Gruppe von Produzenten spezifiziert werden (und so z.B. auch Rollen-Theorien als soziologischen Input enthalten). Deswegen nennt Lindenberg diese 'soziale' Produktionsfunktion. (Lindenberg, 1990, S. 741f.)

  Jede der fünf Eigenschaften des RREMM kann innerhalb der sozialen Nutzen- Produktions-Funktion spezifiziert werden. Lindenberg nennt dies 'strukturell- individualistische Handlungstheorie', an die er vier Kategorien anlegt: (Lindenberg, 1990, S. 737.)

 

1. Die Theorie muß mit relativ geringen Informationen über das Individuum auskommen, auf das die Theorie angewandt werden soll. Denn erstens ist der Aufwand der Informationsbeschaffung relativ hoch und zweitens wird mit zunehmender Informationstiefe die Möglichkeit der Aggregation immer geringer. Es gilt also einen Abstraktionsgrad zu finden, der die wesentlichen Informationen enthält.

2. Die Theorie muß ermöglichen, institutionelle und sozial - strukturelle Bedingungen (wie Zwischenziele und Beschränkungen) zu modellieren. Dadurch soll es möglich sein, die individuelle und die System-Ebene in einer Art zu verbinden, die eine gleichzeitige Behandlung beider Ebenen möglich macht. Den Baustein dieser Verbindung nennt Lindenberg 'bridge assumption'.

3. Das Modell muß sowohl ermöglichen, vereinfachende Annahmen einzuführen, als auch diese durch komplexe Annahmen zu ersetzen. Dies soll mittels der 'bridge assumptions' möglich sein, die nicht den Charakter von Axiomen haben, sondern die in einer einfach gehaltenen Haupttheorie modifizierende Annahmen darstellen.

 

  Die 'bridge assumptions' nehmen einen zentralen Platz in der strukturell- individualistischen Handlungstheorie ein, die Lindenberg in der Ausformung der sozialen Nutzen- Produktions- Funktion vorgestellt hat. Die 'bridge assumptions' sollen so einfach wie möglich und so komplex wie nötig konstruiert werden. Je komplexer die Konsruktion der 'bridge assumptions' werden, desto mehr Informationen werden benötigt und desto geringer wird die Aggregationsmöglichkeit (siehe Punkt 1 der strukturell-individualistischen Handlungstheorie). Inwieweit die Theorie abstrakt gehalten werden kann und soll, muß nicht vom Wissensstand abhängig gemacht werden, sondern kann vom jeweiligen zu analysierenden Problem abhängig gemacht und durch die 'bridge assumptions' umgesetzt werden.

 

 

Ⅴ. Theorie und Modell

 

>>Complete "realism" is clearly unattainable, and the question whether a theory is realistic "enough" can be settled only by seeing whether it yields predictions that are good enough for the purpose in hand or that are better than predictions from alternative theories.<< (Milton Friedman, zit. nach Simon, !979, S. 475.)

  Zwei Dinge stellt Friedman in seinem Zitat heraus: Realismus ist kein Wert an sich in der Theoriebildung und: Jede Theorie muß sich (abgesehen von ihrer inneren Logik) durch ihren Erkenntniswert rechtfertigen.

  Die drei hier vorgestellten Modelle vom Menschen sind keine Theorien an sich, sondern Idealtypen, die in der Ökonomie zur Theoriebildung genutzt werden. Grundannahmen führen zur unmittelbaren (Entscheidungstheorie) und mittelbaren (Preis- und Gleichgewichts- theorie, Theorie der Unternehmung) Ableitung von Theorien.

Max Weber definiert den Idealtyp wie folgt:

 

"Inhaltlich trägt diese Konstruktion den Charakter einer Utopie an sich, die durch gedankliche Steigerung bestimmter Elemente der Wirklichkeit gewonnen ist. ...Er wird gewonnen durch einseitige Steigerung eines oder einiger Gesichtspunkte und durch Zusammenschluß einer Fülle von diffus und diskret, hier mehr, dort weniger, stellenweise gar nicht, vorhandener Einzelerscheinungen, die sich jenen einseitig herausgehobenen Gesichtspunkten fügen, zu einem in sich einheitlichen Gedankengebilde."(Weber, 1992, S. 234f.)

 

  Nicht nur der traditionelle homo-oeconomicus ist so zu verstehen, sondern auch die sich um mehr Realismus bemühenden Idealtypen des homo behavioristicus und des homo sociooeconomicus. Und auch die Funktion dieses utopischen Gedankengebildes (gleich welchen 'Realitätsgrades') beschreibt Weber deutlich:

 

 "Er ist nicht eine Darstellung des Wirklichen, aber er will der Darstellung eindeutige Ausdrucksmittel verleihen."(Hervorhebung von Weber, ders., S. 234.)

 

  Die Bildung eines Idealtypus ist nun vom Interesse des Wissenschaftlers geprägt, ein ihm bedeutsames Merkmal eines Phänomens hervorzuheben und zu erklären. Somit ist die Bildung verschiedener Idealtypen zum gleichen Phänomen nicht unter der Fragestellung zu betrachten, ob die Wirklichkeit richtig oder falsch dargestellt werde, sondern mittels des Idealtypus werden verschiedene Gesichtspunkte betont, die erst zusammengenommen "Objektivität sozialwissenschaftlicher Erkenntnis" ausmachen.

 

 "Je umfassender die Zusammenhänge sind, um deren Darstellung es sich handelt, und vielseitiger ihre Kulturbedeutung gewesen ist, desto mehr nähert sich ihre zusammenfassende, systematische Darstellung in einem Begriffs- und Gedankensystem dem Charakter des Idealtypus, desto weniger ist es möglich, mit einem derartigen Begriffe auszukommen, desto natürlicher und unumgänglicher daher die immer wiederholten Versuche, immer neue Seiten der Bedeutsamkeit durch neue Bildung idealtypischer Begriffe zum Bewußtsein zu bringen." (Weber, 1992, S. 243.)

 

  Genau dieser Vorgang erscheint vor uns in der Bildung der verschiedenen Modelle vom Menschen und begegnet uns sogar innerhalb eines Modells: die gedankliche Konstruktion des homo socio-oeconomicus ist so gefaßt, daß aus ihr unendlich viele homines abgeleitet werden können, die sich in ihren sozialen Nutzen-Produktions-Funktionen unterscheiden werden.

 

 

Ⅵ. Ergebnis

 

1. Beschränkte Rationalität - eine nützliche Abkehr vom nutzenmaximierenden Individuum ?

 

  Die Titelfrage dieses Aufsatzes zielt darauf ab, daß aufgrund der realistischen Annahme beschränkter Rationalität nicht Nutzenmaximierung, sondern zufriedenstellende Ergebnisse durch menschliches Handeln angestrebt werden. Ist das auch nützlich ? Mit Weber und Friedman wäre jetzt die Frage nach dem Erkenntniswert der Theorien zu stellen, die aus den verschiedenen - in diesem Aufsatz als Modell bezeichneten - Idealtypen abgeleitet worden sind. Dies zu beurteilen, kann man nicht in der Lage - und will dennoch eine Antwort versuchen.

  Wenn Schlicht schreibt, daß das Konzept der beschränkten Rationalität eine Hybride aus Realismus und Abstraktion darstellt(Schlicht, 1990, S. 703.), so ist dies im Weberschen Sinn disqualifizierend und läßt nur eine beschränkte Theoriebildung erwarten. Nun, tatsächlich hat Simon Theorien der Organisation vorgelegt, die eine breite Resonanz gefunden haben, die vermuten läßt, daß ihr Erkenntniswert über dem der vorher vorhandenen Theorien liegt.

An sich selbst hatte Simon folgendes Ziel gestellt:

 

 "One had to present that concepts of bounded rationality led to different macro- economic or market-level consequences than did classical theory."(Simon, 1982, S. 401.)

 

  Daß er dieses Ziel erreicht hat, dafür sieht man keine Anzeichen. Noch beherrschen die auf der klassischen mikroökonomischen Theorie basierenden makroökonomischen Theorien die Auseinandersetzung. Insgesamt läßt sich vielleicht die Tendenz festmachen, daß das Konzept der beschränkten Rationalität eher dort Anwendung findet, wo wirtschaftliche Handlungen außerhalb des Marktes koordiniert werden.

  Abstrakte Rationalität kann als realitätsferne Annahme durch ihre Nützlichkeit, d.h. durch den wissenschaftlichen Ertrag gerechtfertigt werden. Dabei lehnt Schlicht aber eine a priori Verteidigung des Modells des perfekt rationalen homo oeconomicus um des Modells und dessen abgeleiteten Weltbildes willen ab, weil dieses Modell nur Vergleichs- aber keinen Erklärungswert hat. Er hält das Modell des abstrakten homo oeconomicus dann für sinnvoll, wenn damit gesagt werden soll, daß Menschen so handeln als ob sie rational handelten.

 

 "This strategy has been proven to be fruitful in the sense of leading to the best results. Thus they lead to choices which approximate that which would be obtained by abstractly rational behavior."(Schlicht, 1990, S. 704.)

 

  Schlicht betont aber, daß es eine Vorbedingung der 'als-ob'-Konstruktion abstrakter Rationalität ist, daß es einen Mechanismus gibt, der eine Verbindung zwischen dem Konstrukt und der Realität gibt, die das 'als-ob'-Verhalten erklären kann. Ohne diese Verbindung verwirft er das 'als-ob'-Konstrukt, weil dann die falschen Voraussetzungen zu den angenommenen Voraussagen führen sollen:

 

 "This would, however, amount to making correct predictions for the wrong reasons."(Schlicht, 1990, S. 705.)

 

  Gerade diese mangelnde Verbindung aber hatte Simon darin bestärkt ein anderes Modell zu kreieren.

  So scheint allein der homo socio-oeconomicus der formalen Kritik standzuhalten. Allerdings muß er noch beweisen, daß auf seinem Fundament ertragreiche Theorien erbaut werden können.

 

2. Rationalität und Wettbewerb

 

  Die Frage nach der Rationalität wird dann in einem praktischen Sinne hinfällig, wenn ein hinreichend großer Wettbewerb besteht, so daß nur diejenigen im Wettbewerb bleiben, die sich so verhalten, als hätten sie rationaler als alle anderen Wettbewerber gehandelt. Dies mag dann sogar als eine Situation 'objektiver Rationalität' gelten. Das Konzept beschränkter Rationalität wird also vor allem dann relevant, wenn kein oder kein ausreichender Wettbewerb besteht.

  In diesem Zusammenhang argumentiert Marris, daß die neoklassische Theorie nicht Rationalität definiert, sondern den Prozeß des freien Wettbewerbs postuliert, um rationale Ergebnisse zu erhalten. Die Kritik am Prozeß des Wettbewerbs - aufgrund unvollständiger Konkurrenz und erkennbarer Undurchführbarkeit - kann nach Marris aber keine Kritik am Konzept der Rationalität als 'auf Vernunft basierender Prozeß' darstellen. (Marris, 1992, S. 196.)

  Die Frage nach der theoretischen Erklärung rationalen Verhaltens bleibe allerdings bestehen.

 

3. Die geschichtliche Entwicklung rationalen Verhaltens: Markt und Plan

 

  Entwickelten die Menschen die Möglichkeit operationalisierbarer und durchführbarer perfekter Rationalität, wäre das gesamte Leben vorhersehbar: Entschieden bevor es begänne. Für die Ökonomie hieße das die Auflösung des Marktes in Organisation und Planung. Und genau das ist es, was sich in den letzten beiden Jahrhunderten an der Entwicklung der Bürokratien und durch die Zunahme an Wissen und Berechnungsmöglichkeiten beobachten läßt - wenn auch der bürokratische Sozialismus verloren hat, weil er über sein Ziel hinausschoß.

  Heute und in Zukunft bleibt also der von v.Hayek betonte, konstitutionelle Wissensmangel, der immer wieder die Entscheidung nötig macht, ob mit dem vorhandenen Wissen Markt oder Plan (in der Form der Bürokratie) die effizientere Methode des Wirtschaftens ist. Solange wir nicht wissen, wie komplexes, rationales Handeln möglich ist, wir vermuten müssen, daß unsere Rationalität eher beschränkt als perfekt ist und solange wir annehmen können, daß selbst unvollständiger Wettbewerb noch ein zufriedenstellend rationales Ergebnis erzielt, solange sollten wir Marktkooperation der Bürokratie vorziehen - ceteris paribus.

 

 

Literaturverzeichnis

 

01. Boudon,Raymond, Subjective Rationality and the Explanation of Social Behaviour, 1992.

02. Elster,Jon, "The possibility of rational politics", in: European Journal of Sociology, 28(1987), S. 67-103.

03. Hennis,Wilhelm, Max Webers Fragestellung, Tübingen 1987.

04. Kirchgässner,Gebhard, Homo oeconomicus, Tübingen 1991.

05. Lindenberg,Siegwart, "Homo socio-oeconomicus: The Emergence of a General Model of Man in the Social     Sciences, in: Journal of Institutional and Theoretical Economics, 146(1990), S. 727-748.

06. Marris,Robin, "Implications for Economics", in: Herbert A. Simon. Economics, Bounded Rationality and the     Cognitive Revolution etd. by Massimo Egidi and Robin Marris, Hants/Vermont 1992.

07. Meckling, William H., "Values and the Choice of the Model of the Individual in the Social Sciences", in:     Schweizerische Zeitschrift für Volkswirtschaft und Statistik, Heft 4,Jg.112, 1976, S. 545-559.

08. Schlicht,Ekkehard, "Rationality, Bounded or not, and Institutional Analysis", in: Journal of Institutional and     Theoretical Economics, 146(1990), S. 703-719.

09. Simon,Herbert A., "A Behavioral Model for Rational Choice", in: Quarterly Journal of Economics, 69(1955).

10. ders., "A Comparison of Game Theory and Learning Theory", in: ders., Models of Bounded Rationality, 1956,     S. 269-274.

11. ders., "Rationality", in: ders., Models of Bounded Rationality, 1964, S. 405-407.

12. ders., "From Substantive to Procedural Rationality", in: ders., Models of Bounded Rationality, 1976, S.     129-148.

13. ders., Models of Bounded Rationality, Vol.2, Behavioral Economics and Business Organization,     Cambridge(Mass.)/London 1982.

14. ders., Reason in Human Affairs, Stanford, Oxford 1983.

15. Tietzel,Manfred, "Die Rationalitätsannahme in den Wirtschaftswissenschaften oder der homo oeconomicus     und seine Verwandten", in: Jahrbuch für Sozialwissenschaft, 32(1981), S. 115-138.

16. Viale,Riccardo, "Cognitive Constraints of Economic Rationality", in: Herbert A. Simon, Economics, Bounded     Rationality and the Cognitive Revolution, ed. by Massimo Egidi and Robin Marris, Hants/Vermont 1992.

17. Weber,Max, "Die Objektivität der sozialwissenschaftlicher Erkenntnis", in: ders., Soziologie *Universalgeschichtliche Analysen * Politik, Hrsg., von Johannes Wincke- lmann, Stuttgart 1992.

 

 

각주

 * 이 논문은 1996년도 동아대학교 학술연구조성비(기초과제)에 의하여 연구되었음

** 사회과학대 경제학부 교수

1) So Lindenberg im Titel seines zitierten Aufsatzes.

2) Eine weitere Frage bedürfte ausgiebiger Erörterung: Ist der Begriff der Rationalität selbst ein Idealtyp, ein    Grenzbegriff, und damit nach Max Weber nicht Gegenstand, sondern Mittel der Erkenntnis ?

3) Tietzel nennt diese Qualität der Information nicht >>situativ<<, sondern >>singulär<<, d.h. nur einmalig    verwendbar.

4) Dies gilt insbesondere für komplexe Sachverhalte. Bei der Ermittlung einer Telefon- nummer ist das    nomologische Wissen über die Informationssuche(meistens) so groß, daß der Akteur Kosten und Ertrag    zumindest abschätzen kann.

5) Schon ihrem Wissen nach können Werturteile(Präskriptionen) nicht das gleiche sein wie    Informationen(Deskriptionen).

6) Obwohl Präferenzen >>Werturteile<< darstellen, sind sie also - ceteris paribus - der wissenschaftlichen    Analyse zugänglich.

7) Kirchgäßner stellt emphatisch fest: "Die Ökonomie ist damit ....eine Wissenschaft von der Veränderung der    Verhältnisse." (S. 27.)

8) Lindenberg, 1990, S. 743.: "...a situation is framed by a goal .. in the sense that that goal will select the    relevant alternatives and thereby 'define' the situation. ....When utility arguments in the background become    stronger, they will reduce the salience of the present frame and may cause a 'frame switch'. ... Frame    switches allow seemingly irrational (i.e. inconsistent) behavior across situations. They also explain apparent    preference changes without the assumption of instable preference structures."

9) Simon, 1983, S. 106.: "Reason, taken by itself, is instrumental. It can't select our final goals,  nor can 1st    mediate for us in pure conflicts over what final goal to pursue - we have to settle these issues in some other    way."

10) Weitere Definitionen der Rationalität: Lehner, Franz, Einführung in die Neue Politische Ökonomie, Königstein,    1981, S. 13.; Rawls, John, Eine Theorie der Gerechtigkeit, Frankfurt a.M., 1975, S. 166f.

11) Ist diese Handlung unter den gegebenen, speziellen oder allgemeinen Umständen, so plausibel, "natürlich"    oder "auf der Hand liegend", könnte sie die weitere Qualität haben, eine 'Handlungsregel' zu begründen ?

12) Dazu Simon, 1976, S. 425.: "Behavior is substantively rational when it is appropriate of the achievement of    given goals within the limits imposed by given conditions and constraints."

13) Karl überlegt sich also zuerst unter Berücksichtigung seiner Budgetrestriktion und der Opportunitätskosten,    ob er sich lieber einen neuen Flitzer leistet oder auf Florida am Strand liegen möchte. Hat er sich aber für den    neuen Flitzer entschieden, bleibt nur noch die Frage Manta oder GTI - nicht aber die komplexe Dreier-Frage    'Manta oder Urlaub ?' und 'GTI oder Urlaub ?' und 'Manta oder GTI ?'.

14) "Within the behavioral model of bounded rationality, one doesn't have to make choices that are infinitely    deep in time, that encompass the whole range of human values, and in which each problem is interconnected    with all the other problems in the world. In actual fact, the environment, in which we live, in which all creatures    live, is an environment that is nearly factorable into separate problems. ... We live in what might be called a    nearly empty world - one in which there are millions of  variables that in principle could effect each other but    that most of the time don't." (Simon, 1979, S. 479.)  

15) Diese Suche nach Handlungsalternativen ist für die Simon'sche Entscheidungstheorie konstitutiv. Die    Handlungsalternativen sind eben nicht wie in der klassischen Ökonomie Teil der Restriktionen und damit    vorausgesetzt. Der homo behavioristicus besitzt die Fähigkeit, seinen Handlungsspielraum z.B. durch    Erfindungsgabe zu erweitern.